Leserbrief

Aus der Sicht einer Mutter im familienfreundlichen Liechtenstein?

Sophia Nägele,Im Kellersfeld 21, Ruggell | 26. November 2016

Kita-Finanzierung

Ungerechte Verteilung des Staatsbeitrages – gleich zu Beginn: Ich möchte mich weder politisch noch aus der Sicht einer Kitaleitung äussern, sondern aus der Erfahrung einer liechtensteinischen Bürgerin und Mutter zweier Kinder erzählen, wie die Situation einer nichtsubventionierten Kita unser Familienleben beeinflusst.
Mein Mann und ich arbeiten beide und gehören zur bürgerlichen Mittelschicht. Um mehr arbeiten zu können, bin ich von einer zeitflexiblen Kita abhängig. Ich müsste aber für meine beiden Kinder mehrere 1000 Franken pro Monat bezahlen, da ich nicht zu den Müttern zähle, die das Glück haben, staatlich subventionierte Plätze in einer zeitflexiblen Kita-Einrichtung zu bekommen. Die in meiner Nähe von Leiterinnen mit fundierter Ausbildung geführte Kita mit flexibler Betreuungszeit, Abenteuerspielplatz im Naturschutzgebiet und eigener Küche für gesunde Ernährung bekommt keine Subvention.
Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass ich mehr bezahlen muss als andere Mütter, da ich in einem Ort wohne, der nur über eine einzige subventionierte und randvolle Kita verfügt. Um einen Platz zu bekommen, müssten meine Kinder 2 Jahre warten. Warum ist die Aufteilung der Subventionen so willkürlich und nicht nachvollziehbar?
Wir arbeiten beide und trotzdem würde unser Familien-Budget nichts als Löcher aufweisen, da die Kitaleitung einer nicht subventionierten Kita uns finanziell nicht entgegenkommen kann, ohne selbst ins Schleudern zu kommen.
Ist es wirklich nötig, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dermas-sen zu behindern, nur weil es scheinbar nicht möglich ist, den «Familien-Fördertopf» gleichmässig und gerecht auf alle Kitas zu verteilen? Knapp 3 Millionen Franken hat der Landtag dafür bereitgestellt, bitte sehr! Dann, wenn davon auch alle profitieren, hätte das Fürstentum zurecht den Ruf, ein familienfreundliches Land zu sein. Mit lieben Reden ist dies nicht getan.

Sophia Nägele,
Im Kellersfeld 21, Ruggell

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.