Leserbrief

Hängebrücke: Zwei Weltanschauungen prallen aufeinander

Mario F. Broggi, St. Mamertenweg 35, Triesen | 31. Juli 2017

Die eine Sichtweise ist anthropozentrisch. Das bedeutet, dass der Mensch sich selbst als den Mittelpunkt der weltlichen Realität versteht. Sie wird beispielsweise durch den Alpenverein vertreten, der den Vortritt des Menschen verlangt (immer und überall), wie bereits vorher bei der Wildruhezonen-Debatte im Land vertreten. Solche Argumentationen, in einigen Leserbriefen ebenfalls vorgetragen, sind vielleicht noch mehrheitsfähig, wenn auch nicht zukunftsfähig. Die Sichtweise des Biozentrismus ist ein Modell, das allem «Lebendigen» einen ethischen Eigenwert zuordnet. Es verwundert nicht, dass andere «Naturnutzer» wie Jagd, Fischerei oder Imker ihre Gesamtschau etwas erweitern und damit auch das uns umgebende Lebendige in Betracht ziehen. Einen zumindest gewissen Anteil an Biozentrismus brauchen wir für zukunftsfähige Nachhaltigkeitsbetrachtungen. Die Hängebrücke liegt im Einzugsgebiet eines regionalen Wildtierkorridors, wo auf seinem Korridor noch einige Hindernisse zu behandeln sind, damit er wieder voll wirksam wird. Solches müssten wir mit der Rheinausweitung und Ökobrücken über die Autobahn angehen. Der Mensch sollte sich in solch sensiblen Fällen nicht immer und überall Vorrang geben, er muss auch für einmal etwas zurücktreten.
Noch eine Zugabe: Dieses Wochenende wurde in Randa (Wallis) die längste Hängebrücke der Welt mit 494 Metern an einem Europaweg (bisheriger Umweg 2 Stunden) mit Kosten von 750 000 Franken eingeweiht. Unsere 240 Meter sollen mit einer Verbindung im Nirgendwo vom Unterland zum Oberland hingegen 1,2 Mio. Franken kosten, allerdings finanziert durch 11 prosperierende Gemeinden.

Mario F. Broggi,
St. Mamertenweg 35, Triesen

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