Leserbrief

Hochwassersicherheit mit Rheinaufweitungen

Othmar Züger,Auelegraben 32, Triesen | 28. Juni 2016

Flussaufweitungen

In einem Leserbrief am letzten Freitag zu den geplanten Rheinaufweitungen schreibt Mario Broggi von «physikalischen Gesetzmässigkeiten», dass «Wasser in der Regel abwärts fliesse» und dass «bei einer geplanten Aufweitung der Dämme auf das Zwei- bis Dreifache das durchfliessende Wasser mehr Raum habe». Niemand hat das im Zusammenhang mit solchen Flussaufweitungen je bezweifelt. Herr Broggi schliesst dann daraus, dass es damit mehr Hochwassersicherheit mit Flussaufweitungen gäbe. Bei diesem Schluss gehen aber weitere, entscheidende physikalische Gesetzmässigkeiten vergessen.
Zu diesen gehört, dass in jedem Strömungssystem die engsten Stellen den grössten Belastungen ausgesetzt sind, sprich beim Rhein sind dies die bestehenden Rheindämme. Vor dem Bau dieser massiven Dämme waren frühere Überflutungen von engen, zu wenig befestigten Stellen im Flusslauf ausgegangen. An verengten Stellen kommt es aufgrund der Beschleunigung der Wassermassen zu Wirbelbildungen, die bei Extremhochwasser zu verstärkten Erosionen am Rheindamm führen können. Mit den massiven Treibholzaufkommen bei solchen Hochwasserereignissen können sich Holzmassen in Aufweitungen ansammeln, speziell in baumbewachsenen Abschnitten, wie sie nach Vorstellung von Umweltgruppen und Umweltamt in «revitalisierten» Rheinaufweitungen üppig vorkommen sollen. Durch den wesentlich grösseren Raum in Aufweitungen stellen diese zusammen mit Treibholzansammlungen lokale «Rückhaltespeicher» für Wasser- und Treibholzmassen im Flusssystem dar. Brechen diese Massen durch den zeitlich immer grösser werdenen Druck plötzlich auf, führt das unweigerlich zu eigentlichen Treibholz- und Wasserfluten im Bereich des enger werdenden Rheinbetts nach der Aufweitung. Dort besteht die Gefahr vor Überflutung, und nicht in der Aufweitung selber. Wenn der Rheindamm einer solchen Flut noch widerstehen kann, treibt diese Ansammlung weiter, bis sie auf ein nächstes Hindernis wie eine Rheinbrücke treffen wird, wo von Neuem sich eine Aufstauung bilden kann, die eine noch grös­sere Überflutungsgefahr darstellen kann.
Ob diese Darstellungen «völlig unrealistisch» und «sehr weltfremd» sind, wie in einem Leserbrief in der letzten Woche von der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) und der «Werkstatt Faire Zukunft» behauptet wird, sei der Meinung des Lesers überlassen. Jedenfalls haben unsere Vorfahren solche hereinbrechenden Überflutungen erfahren und erleben sowie deren einschneidenden Folgen wie zerstörte Felder und Ernten aushalten müssen. Was für ein Segen muss der durchgängig massive, begradigte Rheindamm für sie gewesen sein. Und das ist er auch heute noch für uns Nachfahren – nur scheint das mit dem zunehmenden Wohlstand immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

Othmar Züger,
Auelegraben 32, Triesen

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