Leserbrief

Gedanken an und für Dr. Maaz

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 30. April 2016

Angriff auf Spital

«Liebe Freunde,

Ich bin Dr. Hatem, der Direktor des Children’s Hospital in Aleppo. Letzte Nacht, am 28. April 2016, wurden 27 Mitarbeiter und Patienten getötet bei einem Luftangriff auf das Al-Quds-Krankenhaus hier in der Nähe. Mein Freund Dr. Muhammad Waseem Maaz, der bestqualifizierte Kinderarzt, wurde dabei getötet. Er hat früher bei uns im Kinderkrankenhaus während des Tages gearbeitet und dann Nachtdienst im Al-Quds-Krankenhaus, in Notaufnahme, geleistet. Dr. Maaz und ich verbrachten bis zu sechs Stunden am Tag zusammen. Er war so freundlich, nett, machte Witze. Er war der schönste Arzt in unserem Krankenhaus. Ich bin jetzt in der Türkei, es war vorgesehen, dass er seine Familie besucht, die er 4 Monate nicht sah, bevor ich zurückkehre nach Aleppo. Dr. Maaz blieb in Aleppo, der gefährlichsten Stadt der Welt, aus Hingabe zu seinen Patienten. Krankenhäuser sind oft Ziele der Regierung und der russischen Luftwaffe. Tage, bevor Dr. Maaz tödlich getroffen wurde, erfolgte ein Luftangriff nur 200 Meter von unserem Krankenhaus entfernt. Wenn die Bombardierung lauter wird, trägt das medizinische Personal die Säuglinge in Inkubatoren ins Erdgeschoss, um sie zu schützen.
Wie so viele andere wurde Dr. Maaz getötet, um dafür anderes Leben zu retten. Heute gedenken wir Dr. Maaz für seine Menschlichkeit und seine Tapferkeit. Bitte teilt seine Geschichte anderen mit, damit sie wissen, womit med. Personal in Aleppo und in ganz Syrien konfrontiert ist.
Die heutige Situation ist kritisch – Aleppo vielleicht bald belagert. Wir brauchen die Welt, um zu beobachten. Danke, dass Sie an uns denken. Dr. Hatem»
Diese Zeilen von Dr. Hatam sind heute in den grossen Tageszeitungen sowie über Facebook zu lesen. Meine Gedanken sind bei dem toten Dr. Maaz, der seine kleinen Patienten in dieser Hölle nicht alleinlassen wollte und dabei sein Leben verlor. Ein junger Arzt, voller Hoffnung, Tapferkeit und Mut, voller Leben, Charme und Witz in Zeiten des Infernos. Ich möchte ihm meine Ehrerbietung auf diese Art erweisen. In den tiefsten Abgründen des Mordens, der völligen Verzweiflung, sind immer wieder Menschen, die nicht an ihre Sicherheit denken, die das Leben ihres Mitmenschen so sehr achten, dass sie ihr eigenes Leben verlieren. Dies macht mich dankbar und demütig.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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