Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
«Wir können nicht einschätzen, wie sich die Besucherzahlen in diesem Sommer tatsächlich entwickeln. Wir hoffen aber auf jeden Fall, dass wir ein Treffpunkt für alle sein können»: Herwig Bauer, Poolbar-Urgestein. (Foto: Paul Trummer)
Poolbar-Festival
Region|15.06.2020 (Aktualisiert am 15.06.20 14:11)

Sechs Wochen char­manter Pop im Park

FELDKIRCH - Nachdem sich das Poolbar-Festival ohnehin jeden Sommer neu erfindet, konnten die Macher des Pop-bis-Nischen-Events auch kreativ auf die Coronapandemie und die Auflagen reagieren. Man wird etwas regionaler und dafür charmant im Park, erzählt Poolbar-Chef Herwig Bauer dem «Volksblatt».

«Wir können nicht einschätzen, wie sich die Besucherzahlen in diesem Sommer tatsächlich entwickeln. Wir hoffen aber auf jeden Fall, dass wir ein Treffpunkt für alle sein können»: Herwig Bauer, Poolbar-Urgestein. (Foto: Paul Trummer)

FELDKIRCH - Nachdem sich das Poolbar-Festival ohnehin jeden Sommer neu erfindet, konnten die Macher des Pop-bis-Nischen-Events auch kreativ auf die Coronapandemie und die Auflagen reagieren. Man wird etwas regionaler und dafür charmant im Park, erzählt Poolbar-Chef Herwig Bauer dem «Volksblatt».

Die Coronakrise hat zahlreiche Sommer-Festivals in der Region in diesem Jahr zum Einsturz gebracht. Die Poolbar hat mit zwei Wochen Start-verschiebung überlebt. Wie habt ihr das geschafft?
Herwig Bauer: Wir haben unser Programm regionalisiert. Einigen internationalen Acts mit langem Planungsvorlauf mussten wir schon im Vorfeld zur jetzigen «Teilöffnung mit Auflagen» absagen. Man wusste ja die längste Zeit nicht, wie lange das totale Veranstaltungsverbot dauern würde. Und nachdem grosse Hallenkonzerte nach wie vor undurchführbar sind, haben wir unser gesamtes Programm ins Freie und damit in den – immerhin 4000 Quadratmeter grossen – Park zwischen Poolbar und Pförtnerhaus verlegt. Wir stellen platzregen-resistente Sonnenschirme auf und sorgen mit der Poolbar-Architektur für chillige Momente im Freien. Eventuell nutzen wir auch die Waldbühne hinter dem Park für kleinere Veranstaltungen wie Lesungen und Diskussionen. Laut Wetterprognosen sollten wir einen warmen Sommer bekommen. Somit sind wir also alles in allem optimistisch, dass auch dieser Poolbar-Sommer unter veränderten Vorzeichen erfolgreich über die Bühne geht. Das wäre uns natürlich recht.

Und was dürfen wir im regionalisierten Programm erwarten?
Gute österreichische Headliner wie Lou Asril, Oehl, Mavi Phoenix oder Manu Delago, die auf der Freilichtbühne im Park auftreten. Wir haben ja auch im eigenen Land tolle Bands, die eine attraktive Bühne allemal verdient haben. Fette internationale Acts mit etablierten Namen sind zwar ein Asset, das viel Publikum anzieht. Und wir konnten in der Poolbar in den vergangenen Jahren auch stolz darauf sein, solche Bands engagieren zu können. Handkehrum werfen die grossen Acts oft einen Schatten auf das übrige Programm, das uns in der Poolbar ebenfalls immer ganz wichtig ist. Wir können die aktuelle Coronakrise demnach auch als Chance nützen, das einzigartige Poolbar-Design und das Off-Field-Raumfahrtprogramm in ein ganz neues Rampenlicht zu rücken.

Das Poolbar-Design und das Raumfahrtprogramm sind ja einzigartige Markenzeichen des Festivals …
Ja. Im Poolbar-Generator entwickeln wir jedes Jahr im Februar für die jeweils neue Festivalsaison stets neue Grafiken und Visuals, ein jeweils neues Architektur-Design, Konzepte für Street Art und Kunst im öffentlichen Raum sowie Entwürfe fürs Poolbar-Produktdesign. Rund 40 Architektur-Studierende aus dem ganzen deutschsprachigen Raum klemmen sich da immer dahinter. Wir haben auch das Glück, einige Unis als Partner für unser Festival zu haben, die die Arbeiten der Studierenden aufs Studium anrechnen. Beim Raumfahrtprogramm fahren wir seit vergangenem Jahr mit dem Poolcar an ungewöhnliche Orte vom Bienenzuchtverein bis zum Wartungstunnel und bieten dort vor Ort Diskussionen, Vorträge, Workshops und Diskurse an.

Die Poolbar öffnet auch jedes Jahr eine spezielle Schaufensternacht zum Kulturschaffen im Nachbarland Liechtenstein. Was dürfen wir in diesem Sommer erwarten?
Die Schaufensternacht ist dieses Jahr auf Freitag, den 31. Juli, im Reichenfeld geplant. Wir nehmen Stefan Frommelts Grundkonzept aus dem Jahr 2018, das sich bewährt hat und das auf diesen Sommer hin weiterentwickelt wird. Das Grundkonzept folgt der Philosophie, dass man bei einem Fenster sowohl rein- als auch rausschauen kann. Es ist demnach eine Frage der Perspektive. Die Schaufensternacht beim Poolbar-Festival dient dazu, in beide Richtungen zu schauen – von Liechtenstein nach Vorarlberg und von Vorarlberg nach Liechtenstein. Und vor allem soll das Fenster schliesslich aufgemacht werden und es soll ein Austausch stattfinden. In der Schaufensternacht sollen sich Künstler aus Liechtenstein und Vorarlberg treffen und ein gemeinsames Publikum abwechselnd bespielen. Ein attraktiver Termin am Wochenende – besser geht’s nicht –sowie die Durchmischung von Vorarlberger und Liechtensteiner Künstlern sollen den Effekt haben, dass der Anlass einen verstärkten Publikumszuspruch erfährt – und dass das Publikum tatsächlich durchmischt ist und ein Austausch auf und vor der Bühne erfolgt. Nach dem jetzigen Zeitplan gibt’s am Freitagabend um 18 Uhr zuerst eine Begrüssung durch Stefan Frommelt und mich, worauf ein Essen mit Hintergrund-Livemusik folgt. Eventuell werden währenddessen andere grenzüberschreitende Projekte vorgestellt. Dann treten auf der Freibad-Bühne nacheinander Singer-Songwriter Nicolaj Georgiev, die siebenköpfige Funkband Melting Minds um Drummer Marvin Studer sowie Suzie Candell & the Screwdrivers auf. Nicolaj Georgiev wird ausserdem Naturkunst auf der Wiese realisieren und einen Workshop anbieten.

Das klingt ja echt gut. Dennoch muss die Bemerkung erlaubt sein, dass dieser Sommer aufgrund von Corona trotzdem kein ganz regulärer Sommer ist. Bereiten euch die notwendigen Sicherheitsauflagen irgendwie doch die eine oder andere Sorge? Oder stellt euch das Ganze zumindest vor ganz neue Herausforderungen?
Naja, sagen wir mal so: Bei theoretischer Vollauslastung könnten wir in einem Poolbar-Sommer bis zu 20 000 Besucher begrüssen. Durch die aktuellen Sicherheitsauflagen ist uns im Juli eine maximale Besucherzahl von 500 Personen pro Veranstaltung erlaubt und im August eine maximale Zahl von 750 Personen. Wir können nicht einschätzen, wie sich die Besucherzahlen in diesem Sommer tatsächlich entwickeln. Wir hoffen aber auf jeden Fall, dass wir ein Treffpunkt für alle sein können. Und nicht zuletzt hoffen wir auch auf schönes Sommerwetter. Zahlreiche Veranstaltungen in diesem Sommer haben freien Eintritt. Besucher können sich vorab online einen fixen Sitzplatz reservieren, es gibt allerdings keine Reservierungspflicht. Auch ein eventuelles «Contact Tracing» gibts nur als freiwilliges Angebot. Dass wir diesen Sommer weniger Ticketeinnahmen haben werden, ist uns klar. Andererseits bekommen wir die österreichischen und Vorarlberger Bands natürlich zum günstigeren Preis als die grossen internationalen Acts, die ihren Preis halt verlangen können und ehrlich gesagt auch verlangen müssen. Irgendwie empfinde ich es sogar als charmante Variante, dass wir für einmal unabhängig von grossen internationalen Namen, bei denen sich auch der Ticketverkauf rechnen muss, zeigen können, welche Qualitäten einheimische Bands auf lokaler und nationaler Ebene zu bieten haben. Darauf haben erfreulicherweise ganz kurzfristig auch drei Poolbar-Partner reagiert. Wir können jetzt nämlich neu am letzten Festivalsamstag, den 29. August, ein besonderes Highlight präsentieren: Auf gemeinsame Initiative von Poolbar-Festival und ORF Vorarlberg sowie in Kooperation mit der «Marke Vorarlberg» und dem Wann&Wo wurde der Vorarlberger Musikpreis «Sound@V» ins Leben gerufen. Ausgezeichnet wird die beste Musik aus Vorarlberg bzw. mit Vorarlberger Beteiligung. An diesem Abend werden die mit insgesamt 20 000 Euro dotierten Preise und die im Poolbar-Generator entworfenen Trophäen feierlich überreicht.

Die Poolbar will also stets offen, flexibel und kreativ bleiben. Ist das euer Markenzeichen?
Nun ja, uns war es wichtig, dass wir auf die aktuelle Lage reagieren und auch angesichts der Coronaeinschränkungen nicht den Kopf in den Sand stecken. Wir wollen eine Per-spektive auf ein Leben mit den Umständen entwerfen. Denn niemand kann es derzeit wagen zu prophezeien, wie lange es bis zu einem Medikament oder einem Impfstoff gegen Corona noch dauern wird. Wir vom Poolbar-Team haben uns halt gesagt: Wir waren immer schon flexibel und haben uns ohnehin jedes Jahr mit neuem Design stets neu erfunden. Nutzen wir dieses Bekenntnis in diesem Fall doch als besondere Qualität, auch und gerade wenn wir vor ganz unerwarteten neuen Herausforderungen stehen.

(eps)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Wirtschaft
Schweiz|vor 7 Minuten
SNB hat Vorbehalte gegenüber breit verfügbarer Zentralbankwährung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung