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Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management bei LGT (rechts), und Baiyun Chen, Sustainable Investing Specialist bei LGT.  (Foto: ZVG)
Sommergespräch
Liechtenstein|01.09.2021 (Aktualisiert am 01.09.21 13:38)

«Ehrlich gesagt ist es schon Viertel nach zwölf.»

VADUZ - Weshalb den Banken als Vermittlern zwischen Anleger und kapitalsuchenden Unternehmen eine zentrale Rolle beim Thema Nachhaltigkeit zukommt, erklären Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management bei LGT, und Baiyun Chen, Sustainable Investing Specialist bei LGT. Sie fordern ein rasches Umdenken.

Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management bei LGT (rechts), und Baiyun Chen, Sustainable Investing Specialist bei LGT.  (Foto: ZVG)

VADUZ - Weshalb den Banken als Vermittlern zwischen Anleger und kapitalsuchenden Unternehmen eine zentrale Rolle beim Thema Nachhaltigkeit zukommt, erklären Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management bei LGT, und Baiyun Chen, Sustainable Investing Specialist bei LGT. Sie fordern ein rasches Umdenken.

«Volksblatt»: Ich fahre einen SUV mit 350 PS. In den Sommerferien fliege ich schnell mal nach Südostasien, Sie wissen schon – ein wenig ausspannen. Ich bestelle oft im Internet bei Onlinehändlern und ich trinke gerade einen Kaffee aus einem Plastikbecher. Ich interessiere mich aber wirklich sehr für Nachhaltigkeit, was würden Sie mir raten, wie ich am besten in das Thema einsteigen sollte? 

Ursula Finsterwald: Da kommt eine Menge Arbeit auf Sie zu (lacht) … Spass beiseite. Es gibt heute unzählige Möglichkeiten, sich über die Folgen der eigenen Lebensweise zu informieren. Wir wissen beispielsweise, wie viel CO2 ein Flug nach Südostasien betrieben wird oder welcher Raubbau am Planeten nötig ist, damit man mit einem 2-Tonnen-SUV die Alpenpässe hochfährt. 

Baiyun Chen: Die Auswirkungen dieses menschlichen Raubbaus bekommen wir jedes Jahr ein bisschen früher vor Augen geführt. Am 29. Juli ist es dieses Jahr soweit: der Earth Overshoot Day. An diesem Tag haben wir alle natürlichen Ressourcen für dieses Jahr aufgebracht. In der Schweiz und Liechtenstein war der Tag bereits am 11. Mai erreicht – eine wirklich traurige Bilanz.


Dann ist der Coronaeffekt bereits wieder verpufft?

Ursula Finsterwald: Leider ja. Im vergangenen Jahr, als viele Flugzeuge am Boden blieben und nicht mehr viele Menschen zur Arbeit pendelten, sank die Mobilität und damit die CO2-Emissionen beträchtlich. Trotzdem hatten wir bereits am 22. August alle Ressourcen des Jahres aufgebraucht. 2021 bewegen wir uns wieder auf dem Niveau vor der Pandemie.


Also zurück zur Normalität? Das ist aus nachhaltiger Perspektive doch ziemlich das Schlimmste, was wir nun machen können. 

Ursula Finsterwald: Definitiv. Wir brauchen ein Umdenken auf allen Ebenen. Nur so haben wir wenigstens den Hauch einer Chance, den Klimawandel und seine katastrophalen Folgen aufzuhalten.


Was ich zu Beginn gesagt habe, stimmt natürlich nicht, aber Ironie beiseite: Wie erleben Sie derzeit die Diskussionen mit Kunden, wenn Sie über Nachhaltigkeit diskutieren? 

Baiyun Chen: Die LGT beschäftigt sich bereits seit über einem Jahrzehnt stark mit dem Thema. Seit ein, zwei Jahren erleben wir nun, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur in einer Nische diskutiert wird. Dabei legt die jüngere Generation in der Tendenz einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit, wobei man natürlich nicht generalisieren kann. Es gibt auch Kundengruppen, welche sich sehr für Nachhaltigkeit interessieren, allerdings noch wenig oder kein Know-how haben. Das Thema ist auch sehr komplex. Hier helfen wir, indem wir unser Wissen mit unseren Kunden teilen. 

Ursula Finsterwald: Wir wollen uns damit aber nicht zufriedengeben. Denn wir möchten ja auch die Kunden erreichen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Deshalb schulen wir alle unseren Mitarbeitenden zum Thema Nachhaltigkeit, besonders unsere Kundenberater. Es ist wichtig, dass unsere Kunden wissen, was mit ihrem Geld passiert und welche Wirkung ihre Anlagen haben. 


Ein gutes Stichwort: Schon ein Blick auf die Homepage der LGT zeigt deutlich, nachhaltiges Investieren steht bei Ihnen sehr weit oben. Sie zitieren dort an prominenter Stelle den Unternehmer John Elkington mit den Worten: «Es besteht eine echte Chance, dass wir alles vermasseln. Aber ich bin optimistisch, dass unsere Spezies manchmal ihre beste Arbeit leistet, wenn sie in die Ecke gedrängt wird.» Teilen Sie diese Einschätzung – ist es nun fünf vor Zwölf, oder fünf nach Zwölf?

Ursula Finsterwald: Ehrlich gesagt ist es schon Viertel nach zwölf. Und es ist leider noch nicht ersichtlich, dass wissenschaftliche Erkenntnisse bereits die breite Politik zum nötigen Handeln gebracht hätten. In dieser Hinsicht geschieht zwar etwas, aber es geht recht langsam voran. Deshalb muss die Wirtschaft auch eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung einzunehmen. Niemand will in einer Welt leben, bei der die Temperatur um 3 Grad wärmer ist als heute – viele Teile der Erde wären in so einen Szenario nicht mehr bewohnbar, das sie zu heiss sind oder aufgrund des erhöhten Meeresspiegels überschwemmt wären. Aber die Appelle bleiben leider viel zu oft ungehört.

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(hf)

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