Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
(Archivfoto: Paul Trummer)
Aus dem Gericht
Liechtenstein|23.09.2021 (Aktualisiert am 23.09.21 17:53)

«Vielleicht hat ja jemand meinen Fingerabdruck dorthin platziert»

VADUZ - Von Anfang an keine Chance mit Leugnen vor Gericht hatte ein 43-jähriger Handwerker, der im Juni in einen Baustellencontainer eingebrochen war. Alle Tatortspuren sprachen gegen ihn.

(Archivfoto: Paul Trummer)

VADUZ - Von Anfang an keine Chance mit Leugnen vor Gericht hatte ein 43-jähriger Handwerker, der im Juni in einen Baustellencontainer eingebrochen war. Alle Tatortspuren sprachen gegen ihn.

Der 43-Jährige, der bereits im Frühjahr wegen eines Diebstahls verurteilt worden war, stand gestern neuerlich wegen eines zweiten Einbruchs vor Gericht.

Dieses Mal hatte er Anfang Juni mit einem Stemmeisen das Fenster eines Baustellencontainers aufgebrochen und hatte aus dem Container einen Rotationslaser, ein Nivellierungsgerät und 100 Franken in bar mitgehen lassen.

Die beiden Geräte mit einem Schätzwert von etwa 3000 Franken muss er später irgendwie versilbert haben, denn bei einer Hausdurchsuchung an seiner Oberländer Wohnadresse fand die Polizei nix. 

«Warum sind nur Ihre DNA-Spuren auf dem Stemmeisen zu finden?»

Deutliche Spuren hatte der 43-Jährige indes am Tatort hinterlassen: Nicht nur liess er das für den Einbruch verwendete Stemmeisen mit seinen DNA-Spuren am Tatort liegen, auch am aufgebrochenen Fenster des Baustellencontainers fand die Polizei seinen vollständigen Fingerabdruck.

Normalerweise müsste ein Täter bei Vorliegen solch eindeutiger Tatortspuren schon vor der Polizei ein umfassendes und reumütiges Geständnis ablegen.

Nicht so der 43-Jährige. Bei seiner Einvernahme vor der Landespolizei Ende Juli hatte er behauptet, dass ihm im Januar einiges altes Werkzeug aus seinem unversperrten Keller gestohlen worden war, darunter ein Akkubohrer und das erwähnte Stemmeisen.

Diesen (behaupteten) Einbruch habe er seinerzeit nur deshalb nicht angezeigt, weil das gestohlene Werkzeug «alter Plunder» gewesen sei. Ausserdem halte er seinen Keller mittlerweile versperrt.

Dass der angebliche Werkzeugdieb vom Januar dann im Juni sein Stemmeisen für einen Einbruch in den besagten Baustellencontainer verwenden würde, habe er nicht ahnen können.

Erdrückende Beweislage

Die Staatsanwältin zum Beschuldigten: «Und warum sind dann nur Ihre DNA-Spuren auf dem Stemmeisen zu finden?»

Beschuldigter: «Keine Ahnung. Vielleicht hat der Täter ja Handschuhe getragen.»

Staatsanwältin: «Und wie kommt ein vollständiger Fingerabdruck von Ihnen auf das Containerfenster? Ganz frisch, ohne Anzeichen von Verwitterung und ohne Vermischung mit irgendwelchen anderen Fingerabdrücken?»

Beschuldigter: «Keine Ahnung. Vielleicht hat ja irgendjemand meinen Fingerabdruck dorthin platziert.»

Ohne Anwalt vor Gericht erschienen

Spätestens jetzt hätte der 43-Jährige merken müssen, dass er fürs Kriminelle genauso wenig Talent hat wie fürs Leugnen.

Hätte er einen Verteidiger gehabt, hätte dieser ihm angesichts der klaren Beweislage schon vor der Verhandlung zu einem reumütigen Geständnis geraten und das Gericht um ein mildes Urteil gebeten.

Aber der 43-Jährige erschien ohne Anwalt vor Gericht. Seine erste Diebstahls-Verhandlung im Frühjahr hatte er übrigens verpennt und war in Abwesenheit verurteilt worden.

Und nun das Urteil

Der nachweisliche Einbruch kommt den 43-Jährigen nun teuer zu stehen. Vor allem finanziell. Das Gericht verlangt von ihm laut Urteil 500 Franken Verfahrenskosten plus rund 4200 Franken Wertersatz für die Diebesbeute zugunsten der Landeskasse. Das Bauunternehmen fordert 1700 Franken Schadenersatz.

Auf der anderen Seite hat der 43-Jährige noch eine private Schuldensanierung mit einem Restbetrag von rund 30 000 Franken am Laufen.

Falls das Urteil in den nächsten Tagen rechtskräftig werden sollte, könnte sich der 43-Jährige dann mit seinem Bewährungshelfer beraten.

Denn die Richterin sprach zu den unbedingt zu zahlenden Geldsummen noch neun Monate bedingte Haft mit Bewährungshilfe gegen ihn aus.

(jm)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Liechtenstein|22.09.2021 (Aktualisiert am 22.09.21 16:48)
«Saukogga» kostet 2000 Franken
Volksblatt Werbung