Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Gruppenbild des Organisationskomitees mit Festpräsident Johannes Kaiser, das die 100-Jahr-Feierlichkeiten der Cäcilia Schellenberg auf die Beine stellt. (Fotos: ZVG)
Vermischtes
Liechtenstein|24.09.2021

MV Cäcilia Schellenberg feiert am Wochenende den 100. Geburtstag

SCHELLENBERG - Am kommenden Samstag und Sonntag feiert der Musikverein Cäcilia Schellenberg das 100-Jahr-Jubiläum mit einem zweitägigen Fest beim Dorfzentrum. Alle sind dazu eingeladen. "Musikfeste in Schellenberg sind immer etwas Besonderes", sagt Festpräsident Johannes Kaiser im Interview.

Gruppenbild des Organisationskomitees mit Festpräsident Johannes Kaiser, das die 100-Jahr-Feierlichkeiten der Cäcilia Schellenberg auf die Beine stellt. (Fotos: ZVG)

SCHELLENBERG - Am kommenden Samstag und Sonntag feiert der Musikverein Cäcilia Schellenberg das 100-Jahr-Jubiläum mit einem zweitägigen Fest beim Dorfzentrum. Alle sind dazu eingeladen. "Musikfeste in Schellenberg sind immer etwas Besonderes", sagt Festpräsident Johannes Kaiser im Interview.

Festpräsident Johannes Kaiser.

"Volksblatt": Herr Kaiser, was verbindet Sie mit der Cäcilia Schellenberg?
Johannes Kaiser: Ich habe eine ganz tolle und spezielle Verbindung mit dem Schellenberger MV Cäcilia. 2009 und 2019 durfte ich als Festpräsident zwei grosse Musikanlässe organisieren – nämlich die je dreitägigen Verbandsmusikfeste. Das kleinste und jüngste Mitglied des Blasmusikverbandes Liechtenstein stellte dabei super Festivals auf die Beine: Viele können sich noch erinnern an «Der Schellenberg ruft» (2009) oder «Der Schellenberg musikt» (2019). Und jetzt begehen wir das 100-Jahr-Jubiläum mit erneut unikaten Highlights. Wir freuen uns sehr auf das kommende Wochenende. Das Schönste, was mich mit dem MV Cäcilia vereint, ist das Freundschaftsband der Ehrenmitgliedschaft. Dies ehrt mich nicht nur, ich bin auch sehr stolz darauf.

Dann wissen Sie sicherlich, warum der Musikverein «Cäcilia» heisst?
Das hat man mir, als ich von Mauren in den Schellenberg zog, sehr schnell beigebracht: Die heilige Cäcilia ist die Schutzpatronin der Kirchenmusik und ihr Attribut ist die Orgel. Diese Namenssymbolik spiegelt sich auf der Vereinsfahne.

Mit welchen Eigenschaften würden Sie den Musikverein beschreiben?
Die Cäcilia ist für eine Gemeinde mit 1000 Einwohnern verhältnismässig ein sehr grosser Verein mit knapp 40 Aktivmitgliedern und 20 Jungmusikanten und -musikantinnen. Der MV ist bekannt für die ausgezeichnete Jugendförderung. Das gefällt mir ausserordentlich. Der Verein wird seit Jahren hervorragend geführt, die jungen wie die älteren Mitglieder tragen Verantwortung, der Funke an der Freude am Musizieren springt über und verleiht dem MV Cäcilia eine besondere Ausstrahlungskraft. Deshalb geniesst die Cäcilia bei Auftritten im Dorf, in den anderen Gemeinden wie auch im Ausland stets eine anziehungskräftige Sympathie.

Das Programm im Überblick

Das Programm am Wochenende beim Schellenberger Dorfplatz im Überblick:

Samstag, 25. September:

Ab 16 Uhr: Festeinlass
Ab 16.30 Uhr: Musikalische Leckerbissen mit der Jugendmusik Schellenberg und den benachbarten Musikvereinen aus Mauren-­Schaanwald, Gamprin-Bendern und Feldkirch-Nofels.
Am Abend: Auftritt der Partyband Alpenstarkstrom mit einer Feier bis in die späten Abendstunden.

Sonntag, 26. September:

9 Uhr: Feierlicher Gottesdienst
Ab 10.30 Uhr: Frühschoppen mit der Harmoniemusik Tisis-Tosters
Ab 11.15 Uhr: Offizieller Festakt mit Ansprachen von Johannes Kaiser (Festpräsident), Norman Wohlwend (Gemeindevorsteher) und 
Ralph Oehri (Präsident des Musikvereins Cäcila Schellenberg), der Präsentation der Jubiläumsfestschrift durch Ulrike Mayr und dem Anschnitt der Cäcilia-Geburtstagstorte. 
Musikalische Unterhaltung mit dem Musikverein Ruggell sowie Festwirtschaft.

Welchen Stellenwert haben Musikvereine allgemein für das Dorfleben?
Die Musikvereine – das habe ich als ehemaliger Vorsteher von Mauren stets eindrücklich miterlebt und betont – sind schon etwas Besonderes im gesellschaftlichen und kulturellen Gemeindeleben. Einerseits bilden sie durch ihre Mitgliedschaften von Jung bis Alt die Generationen in einer Gemeinde ab. Alle Musikantinnen und Musikanten sind musikalisch hervorragend ausgebildet. 
Und die Musikvereine haben aufgrund ihres Wesens die Kompetenz, Fähigkeit und Ausstrahlungskraft, jeglichen Anlässen – seien dies kirchliche oder weltliche Auftritte – eine ganz spezielle Emotion und Würde zu geben. Musik ist einfach etwas, das alle mitnimmt, das Gemüt anspricht und die Herzen der Menschen erreicht.

Mit welchen Herausforderungen haben Musikvereine heute zu kämpfen und wie kann man diesen begegnen?
Ich habe einen sehr guten Einblick in die Musikvereine des Liechtensteiner Unterlandes, die allesamt – wie ich sehe – sehr gut aufgestellt sind. Wichtig ist einerseits, dass die Vereinsführungen ihre Mitglieder behutsam und verantwortungsvoll einbeziehen, an der Entwicklung des Vereins partizipieren  lassen und die Identität sowie die Marke des Vereins sorgsam pflegen. Andererseits müssen die Gemeinden und das Land die notwendigen Unterstützungen gewährleisten, damit die Musikvereine der Jugendförderungen eine hohe Priorität beimessen können, und – was sehr wichtig ist – das ehrenamtliche und sehr intensive kulturelle Engagement kann nicht genug geschätzt, gefördert und gepflegt werden. Diese Vereine sind nicht nur in kultureller Hinsicht von hohem Wert, sondern auch was die Volks-Psyche anbelangt.

Sie sind Festpräsident der 100-Jahr-Jubiläumsfeierlichkeiten. Was gehört eigentlich zu Ihren Aufgaben?
Bei jedem musikalischen Grossanlass, den wir gemeinsam organisierten, haben wir uns vorerst eingehend über die Projektzielsetzung unterhalten und philosophiert, wie wir etwas Besonderes gestalten können. Auch beim derzeitigen zehnköpfigen Festkomitee staune ich immer wieder, mit welchen Ideen, zeitlichem Engagement, organisatorischer Versiertheit und Leidenschaft alle mitziehen. Was der Dirigent auf dem musikalischen Parkett vornimmt, ist meine Dirigenten-Aufgabe in diesem Festkomitee. Das macht wirklich Spass – wir sind ein super Team.

"Die Solidarität und Loyalität innerhalb der Musikvereine ist schon ein ausserordentliches Phänomen."

Johannes Kaiser

Und was steht am 25. und 26. September im Mittelpunkt?
Die Botschaft ist seit Anfang der Organisation im Festkomitee geradezu greif- und spürbar: «Wir wollen die Menschen einladen, sie endlich wieder treffen, mit ihnen ein super Musikfest feiern und sie mit einem aufgestellten Programm – musikalisch wie kulinarisch – begeistern. Wir brennen darauf!»

Die Festtage werden als 3G-Anlass durchgeführt: ein Hindernis?
Wir haben uns bei der Durchführung dieses Jubiläumsveranstaltung für das 3G-Konzept entschieden. Dies bedeutet für den Verein – auch in finanzieller Hinsicht – einen beträchtlicher Mehraufwand. Wir müssen das gesamte Gelände einzäunen und den Einlass mittels Sicherheitsdienst organisieren. 

Am Samstag werden gleich mehrere benachbarte Musikvereine der Cäcilia ihr Können zum Besten geben. Wie nehmen Sie das Verhältnis zwischen den hiesigen Musikvereinen wahr?
Mit der Organisation und Durchführung des Verbandsmusikfestes 2009 zusammen mit dem MV Cäcilia bin ich erstmals in mit dieser Konstellation in Kontakt gekommen, wie die Musikvereine untereinander funktionieren. Das Verhältnis zwischen den Vereinen ist einfach bestaunenswert – ein unglaublicher Zusammenhalt. Das ist irgendwie ein Ehrencodex im Verhältnis untereinander, der vollauf gelebt wird. Die Vereine helfen einander nicht nur mit musikalischem Personal aus, wenn es notwendig ist, sondern auch was das Mitwirken bei der Durchführung von grossen Veranstaltungen betrifft. Die Unterländer Musikvereine organisieren bei den Verbandsmusikfestern meist dreitägige Events. Das geht nur, wenn einander geholfen wird, da schnell mal 200 freiwillige Helferinnen und Helfer benötigt werden. Die Solidarität und Loyalität innerhalb der Musikvereine ist schon ein ausserordentliches Phänomen.

Bewegte Geschichte der Cäcilia Schellenberg
Das erste Vereinsfoto der Cäcilia Schellenberg (1925) wurde in Buchs aufgenommen.

Die Cäcilia Schellenberg kann auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurückblicken: Den Anstoss zur Gründung des jüngsten liechtensteinischen Musikvereins gab die Spaltung des Kirchenchores. Einige der Mitglieder hatten sich zu einem weltlichen Chor formiert. Aufgrund von Differenzen mit dem Kirchenchor versammelten sich 1921 die weltlichen Sänger und gründeten den Musikverein. Mit dabei waren die Schellenberger Josef Batliner, Johann Biedermann, Anton Büchel, Emil Büchel, Rupert Büchel, Philipp Elkuch, Elias Goop, Georg Hassler, Isidor Lampert, Hermann Meier, Eduard Oehri, Eugen Wohlwend, Konrad Wohlwend und Stefan Wohlwend.

Erster Auftritt an Ostern 1922

Die Instrumente wurden wahllos an die Mitglieder verteilt, da überhaupt niemand eines beherrschte. Als Kapellmeister fungierte Albert Marxer von Mauren. Er brachte den von Eifer beflügelten Anfängern die ersten Grundlagen bei. Das erste Stück, das gespielt wurde, war der Marsch «In den Bergen». Als Probelokal diente vorerst das Sticklokal des Isidor Lampert (Hausnummer 20). Der erste Auftritt fand am Ostersonntag 1922 statt, zum ersten Musikkränzchen traf sich die Cäcilia am 2. Februar 1923 im Restaurant Löwen.

Namen der Schutzpatronin

Den Namen entlieh sich der Musikverein Schellenberg von der heiligen Cäcilia. Als Schutzpatronin der Kirchenmusik ist ihr Attribut die Orgel. 1953 wurde die erste Vereinsfahne feierlich eingeweiht. Hofkaplan Schnüriger aus Schaan entwarf das Motiv mit der Namenspatronin, der heiligen Cäcilia. Fahnengotta war Ida Oehri. Auf einem blauen Hintergrund ist das Gemeindewappen dargestellt. Auf diesem präsentiert sich die Schutzheilige der Musik mit der Orgel. Den oberen Abschluss bildet ein gelbes Band mit der Inschrift «Musikverein St. Caecilia Schellenberg». Seit 2002 ist der Verein im Besitz einer neuen Fahne. Diesmal stellte sich Yvonne Büchel als Fahnenpatin zur Verfügung. Den Entwurf gestaltete die Fahnenkommission des Musikvereins in Zusammenarbeit mit der Firma Heimgartner in Wil. Auch bei der neuen Fahne ist der Musikverein seiner Schutzpatronin treu geblieben – diese zeigt sich ohne Orgel zusammen mit der Musiklyra in einem neuen, moderneren Kleid. 

Die Tracht als stolzes Symbol

Die erste einheitliche Musikbekleidung bestand aus einem grauen Lodenhut mit Spielhahnfedern. 1929 wurde vom Verein die erste Uniform erworben. 1948 wurde von den Eschner Musikanten die alte  Militäruniform als neue Vereinsbekleidung übernommen. 1961 konnte die erste liechtensteinische Musiktracht, noch mit langen schwarzen Hosen, vorgestellt werden. Seit 1976 kennt man die Musikanten in jener Bekleidung, die sie auch heute noch tragen. Dabei sind in eleganter Weise die Farben der Gemeinde mit jenen des Landes kombiniert: schwarze Kniehosen, weisses Hemd, rotes Gilet, gelbes Tuch, blaue Jacke und schwarzer Hut.

Der offizielle Festakt zum 100-Jahr-Jubliäum findet am Sonntag statt, mit welchen Höhepunkten?
Neben kurzen, knackigen, ehrenden und würdigenden Ansprachen stehen die Präsentation der Festschrift sowie das Anschneiden der «Geburtstagstorte» im Mittelpunkt des offiziellen Anlasses am 26. September. 

Was wird es in der Festschrift Spannendes zu lesen geben?
Die Festschrift «100 Jahre Musikverein Cäcilia Schellenberg» erzählt auf 100 Seiten viel Historisches, Wissenswertes, Interessantes und lustige Anekdoten. Es geht bei dieser Festschrift um eine Symbiose von 100 Jahren Vereins- und Dorfgeschichte. Ein Viertel der Schellenberger Einwohnerschaft war einmal ein aktives Mitglied des Musikvereins Cäcilia. Das ist eine wunderbare Dokumentation.

Auf was freuen Sie sich an den beiden Tagen am meisten?
Dass wir den Menschen von nah und fern endlich wieder ein super sympathisches und tolles Musikfestival mit Musikvereinen und der Band Alpenstarkstrom bieten können und an den beiden Festtagen ein volles Haus unter dem idyllischen Zeltdach im Dorfzentrum haben. Die Musikfreunde und Gäste wissen mittlerweile: In Schellenberg sind die Musikfeste immer etwas Besonderes!

(hm)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden

Nächster Artikel
Vermischtes
Liechtenstein|vor 2 Stunden
Stiftung Hagen-Haus erhält Baurecht für weiteres Grundstück