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Mein Recht
Liechtenstein|11.08.2022

Was ist der Unterschied zwischen Überzeit und Überstunden?

VADUZ - Im Laufe des Arbeitsverhältnisses kann es dazu kommen, dass ein Arbeitnehmer die vorgesehenen Arbeitszeiten überschreitet. Je nach Situation kann es dann sein, dass Überstunden oder sogar Überzeit geleistet werden.

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VADUZ - Im Laufe des Arbeitsverhältnisses kann es dazu kommen, dass ein Arbeitnehmer die vorgesehenen Arbeitszeiten überschreitet. Je nach Situation kann es dann sein, dass Überstunden oder sogar Überzeit geleistet werden.

Überzeit ist im Rahmen des Arbeitsgesetzes zu verstehen, und bezieht sich auf die Situation, die eintritt, wenn die gesetzliche wöchentliche Höchstarbeitszeit überschritten wird. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt je nach Branche und Alter 45 bis 48 Stunden pro Woche. In Ausnahmefällen kann von der wöchentlichen Höchstarbeitszeit abgewichen werden, wenn dies durch objektive Gründe gerechtfertigt ist.

Demgegenüber stehen Überstunden, wobei dabei auf die Überschreitung der vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden Bezug genommen wird. Die vertragliche Arbeitszeit kann in einem Einzel-, Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag geregelt werden. Überstunden gründen sich in der Treuepflicht des Arbeitnehmers dem Arbeitgeber gegenüber und resultiert daraus eine zeitliche Erweiterung der Arbeitspflicht. Überstunden müssen notwendig sowie zumutbar sein und dürfen die physische und psychische Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers nicht übersteigen. Ebenfalls finden die Schutzvorschriften des Arbeitsgesetzes Anwendung und sind bspw. Arbeits- und Ruhezeiten zu beachten. Demgemäss sollte dabei auch die wöchentliche Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden.

Bei der Überzeit bewegen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Schranken des Arbeitsgesetzes und können diese somit grundsätzlich nicht wegbedungen werden, Überstunden jedoch schon. So kommt es in der Praxis vor, dass im Arbeitsvertrag festgehalten wird, dass Überstunden im vereinbarten Grundlohn inbegriffen sind. Kommt es zu keiner vertraglichen Regelung, ist wiederum gemäss Einzelfall zu prüfen, ob ein Abgeltungsanspruch besteht. Werden Überstunden angeordnet, oder sind Überstunden als objektiv notwendig zu betrachten, auch wenn diese nicht angeordnet wurden, so sind diese grundsätzlich abzugelten.

Überstundenarbeit ist durch Freizeit von mindestens gleicher Dauer innerhalb eines angemessenen Zeitraums abzugelten, jedoch muss ein Arbeitnehmer sein Einverständnis dazu erklären. Ansonsten hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf den Normallohn zuzüglich eines Zuschlags von mindestens 25%. Überzeitarbeit kann auch, durch Einverständnis des Arbeitnehmers, innert einem angemessenen Zeitraum durch Freizeit ausgeglichen werden, oder zuzüglich eines Zuschlags von 25% auf den Lohn abgegolten werden (dabei ist jedoch auch nach Branchen zu unterscheiden und kann dies unter Umständen nur ab 60 Stunden pro Kalenderjahr Geltung finden). Anders als bei den Überstunden ist diese Lohnregelung zwingend.

In den verschiedenen Konstellationen ist darüber hinaus auch zu beachten, ob es sich um einen Arbeitnehmer in leitender Stellung handelt oder nicht, da für diese andere Regelungen gelten können.  

In der Praxis ist der konkrete Einzelfall einer Prüfung zu unterziehen, da je nach Branche, Stellung im Unternehmen sowie mit Hinblick auf die Beurteilung der Kriterien zur Verpflichtung der Leistung von Mehrarbeit verschiedene Ansprüche bestehen können. Auch ist die Ausgestaltung des Arbeitsvertrags insbesondere in Bezug auf die Überstundenregelungen sorgfältig zu überlegen.

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Rechtsanwältin Mag. iur. Fabienne Seppi

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NÄGELE Rechtsanwälte GmbH

Dr. Grass Strasse 12, 9490 Vaduz, Liechtenstein

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