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Mittwoch - 24. August 2016 | 14:01

Konrad über verrückte Derbys, Fanpost und das Wetter

VADUZ - Das Derby gegen St. Gallen (2:0) hat Thomas Konrad von der Tribüne aus verfolgt. Am Samstag könnte er aber zu seinem Debüt beim FC Vaduz kommen. Davor erzählt der neue Innenverteidiger aber noch ein paar Anekdoten aus seiner Zeit in Schottland – und er erklärt, weshalb ihm der FCV von Beginn an imponiert hat.

Thomas Konrad präsentiert das FCV-Dress, zusam­men mit Sporchef Bernt Haas und Präsidentin Ruth Ospelt. (Foto: ZVG)

Vor ein bisschen mehr als zwei Jahren stand Thomas Konrad noch kurz davor, dem Profifussball den Rücken zu kehren. Bei Eintracht Trier in der Regionalliga lief es nicht wie gewünscht und in Sachen Zukunft stand auf einmal ein Studium an der Uni im Raum. Dass er heute seine Brötchen noch immer mit Kicken verdient, verdankt er der vielzitierten «schnelllebigen Fussballwelt». Plötzlich hatte der junge Mann aus Karlsruhe ein Angebot aus der schottischen Premiership vorliegen. Der Dundee FC zeigte Interesse und sorgte damit dafür, dass das Schulbankdrücken fürs Erste keine Option mehr war.
Prompt reifte er im Oberhaus Schottlands zum Stammspieler, wurde in Dundee eine feste Grösse. Von den leidenschaftlichen Fans erhielt er aufgrund seiner Ruhe am Ball den Übernamen «The Kaiser».

Dennoch war nach zwei Jahren wieder Schluss. Trotz vieler Einsätze wurde sein Kontrakt am Ende der letzten Spielzeit nicht verlängert. Für Konrad bedeutete dies ein Neuanfang. Er war erst Testspieler beim FC St. Gallen, doch ein Wechsel zu den Espen sollte nicht zustande kommen. Dafür klappte es mit dem FC Vaduz, für den er ebenfalls ein Freundschaftsspiel bestritt (Mitte August gegen Augsburg/0:0).
Im Gespräch mit dem «Volksblatt» lobt Thomas Konrad die Infrastruktur in Vaduz – und er spricht über das Stadtderby in Dundee, das aufgrund seiner besonderen Umstände mittlerweile europaweit berühmt ist.

«Volksblatt»: Thomas Konrad, was haben Sie für einen ersten Eindruck vom FC Vaduz gewonnen?
Thomas Konrad:
"Ich habe gleich gemerkt, dass hier absolut professionell gearbeitet wird – in allen Bereichen. Das erkennt man nur schon daran, dass wir zusammen frühstücken und zu Mittag essen. Und auch die Fussballanlage in Vaduz ist nicht zu vergleichen mit jener, die ich in Schottland hatte. Ich fühle mich wohl hier – auch das Wetter ist super."

Da soll offenbar auch so bleiben für den Rest der Woche ...
"... daran kann ich mich gewöhnen. Ehrlich, von Schottland bin ich an weitaus schlechteres Wetter gewohnt." (Lacht)

Sie haben aber sicherlich nicht nur wegen des milderen Klimas nach Vaduz gewechselt. Sie haben in Schottland oft gespielt – und wagten jetzt den Wechsel in die Super League. Wie beurteilen Sie diesen Karriereschritt?
"Ich würde es als einen Schritt nach oben bezeichnen. In Schottland wird auf einem hohen Niveau gespielt, aber der Fussball ist anders – viel kampfbetonter. In der Super League wird man spielerisch noch mehr gefordert, das merkte ich allein in den ersten Trainingstagen hier in Vaduz. Auch in taktischer Hinsicht ist die Schweizer Liga besser – ich freue mich auf diese neue Aufgabe."

Die Chance, sich in einem Pflichtspiel im FCV-Dress zu zeigen, bekommt er womöglich schon am Samstag in Sion (20 Uhr, Liveticker auf «Volksblatt.li») – je nachdem, wie die Situation auf den Innenverteidigerpositionen ausschaut. Die Vaduzer Verantwortlichen holten den 26-jährigen Deutschen auch, um Engpässe auf besagter Position künftig so gut es geht zu vermeiden. Zuletzt hatte Trainer Giorgio Contini mit Simone Grippo nur noch einen nominellen Innenverteidiger zur Verfügung, weil Mario Bühler und Matthias Strohmaier gleichzeitig ausfielen und weil man Daniel Kaufmann in die Challenge League an Chiasso ausgeliehen hatte.

Dass Konrad das Zeug zum Stammspieler hat, hat er in Schottland eindrücklich bewiesen. In zwei Jahren kam er auf 69 Partien für den Dundee Football Club. Besondere Höhepunkte waren dabei nicht nur die Duelle mit Top-Club Celtic Glasgow, sondern auch die Derbys gegen den Stadtrivalen Dundee United. Lustiger Fakt: Die Stadien der Clubs befinden sich nur 50 (!) Meter voneinander entfernt – das Gästeteam im Derby hat die kürzeste Anreise an ein Auswärtsspiel im Profifussball überhaupt.

Thomas Konrad, wie haben Sie diese Stadtderbys in Dundee erlebt?
"Es war wirklich ganz verrückt. Die ganze Stadt lebt den Fussball. Jeder erkennt dich auf der Strasse und jeder fiebert dem Derby entgegen. Die Stimmung im Stadion ist jeweils atemberaubend, man hört sein eigenes Wort nicht mehr. Bevor ich kam, hatte meine Mannschaft elf Jahre kein Derby mehr gewonnen. Doch dann haben wir die Serie gebrochen und dreimal gesiegt. Die Fans haben uns danach wirklich gross gefeiert. Sogar als ich meinen Wechsel zum FC Vaduz bekannt gab, haben sie mir noch geschrieben und viel Glück gewünscht. Die vergessen einem nicht dort oben."

Das Derby in Dundee ist so speziell, das sogar die ARD darüber berichtete. Der TV-Sender hat es als «friedlichstes Derby» bezeichnet. Können Sie dem zustimmen?
"Ja, absolut. Die Fans laufen da kreuz und quer durch – oft sind sie sogar in der gleichen Familie. Sticheleien sind da, aber mehr nicht. Sie gehen danach sogar zusammen in die Bar. Oder es kann auch passieren, dass dich ein United-Fan im Restaurant anspricht: «Hallo Thomas Konrad, viel Glück für die Saison.» Die Leute haben da eine ganz besondere Beziehung zum Fussball. Gewalt habe ich während meinen zwei Jahren in Schottland nie erlebt."

(mp)

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