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Mittwoch - 24. Februar 2016 | 15:18 (Aktualisiert am 24.02.16 15:28)

"Ohne gute Ernährung gewinnt man nichts"

VADUZ - Sportmediziner Ecki Hermann erklärt im Gespräch mit dem "Volksblatt", weshalb die Ernährung im Sport so eng mit Erfolg und Leistung verbunden ist, warum er nichts von Energy-Drinks hält und wieso man beim Konsumieren von Eiweiss-Shakes besonders auf der Hut sein muss.

Sportarzt Ecki Hermann hielt am LG Vaduz einen Vortrag zum Thema "Ernäh­rung im Sport". (Foto: PT)

"Volksblatt": Ecki Hermann, über die Wichtigkeit der richtigen Ernährung im Sport brauchen wir hier ja nicht zu diskutieren. Dennoch, ganz grundsätzlich gefragt: Wie viel Einfluss hat die Ernährung auf die Leistungsfähigkeit eines Sportlers?
Ecki Hermann:
Mit der Ernährung allein wird man noch kein Spitzenathlet. Auf der anderen Seite gewinnt ein talentierter Sportler mit der falschen Ernährung ebenfalls rein gar nichts. Es geht also grundsätzlich um das Zusammenspiel zwischen der richtigen Ernährung und dem Talent des Athleten – und dann kann man sagen, dass die Ernährung einen extrem hohen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat.

Wie zum Beispiel?
Einerseits ist die Ernährung für die Entwicklung des Sportlers wichtig, beispielsweise in der Pubertät, wo der junge Mensch während des Wachstums enorm viel zu sich nehmen muss. Andererseits braucht es eine gute Ernährung, wenn man im Spitzensportbereich Topleistungen erbringen will.

Man kann also sagen, dass jeder Sportler seine Ernährung ganz spezifisch auf seine persönliche Situation anpassen muss.
Genau. Das hängt zum Beispiel von der Sportart ab, vom Entwicklungsstand des Athleten oder auch vom Zeitpunkt des Trainings: Befinde ich mich gerade im Aufbau? Oder steht bald ein Wettkampf bevor? Muss ich mich regenerieren? Man muss hier genau unterscheiden und dann die Ernährung dementsprechend anpassen.

Worauf sollte ein Sportler besonders achten, bevor er eine intensive Trainingseinheit absolviert oder einen Wettkampf bestreitet?
Er sollte vor allem auf den Zeitpunkt der Mahlzeit und auf die Zusammensetzung schauen. Wenn man beispielsweise vor dem Sport grosse Mengen zu sich nimmt, dann kann der Körper keine Leistung erbringen – es ist eher das Gegenteil der Fall, das kann sogar im Durchfall enden.

Kurz vor dem Training viel essen, ist also kontraproduktiv.
Ja, das nützt gar nichts. Deshalb ist es wirklich wichtig, auf den Zeitpunkt zu achten. Wenn du mal keine Zeit hast, ein paar Stunden vor dem Training etwas zu essen – dann reicht für den Moment auch eine kleine Mahlzeit. Aber dafür musst du danach unbedingt etwas essen. Und was hierbei auch noch gut ist: Wenn man wirklich mal nicht zum Essen kommt, dann helfen Sportgetränke über die Runden. Es gibt Eiweiss-Drinks, die gut verdaulich sind und die man vor und nach dem Training nehmen kann.

Wie sieht es mit Elektrolyten- und isotonischen Getränken aus?
Die sind durchaus hilfreich. Nur muss man hierbei aufpassen, ob es der Körper, sprich der Magen und der Darm, verträgt. Ich kenne viele Sportler, die wegen solcher isotonischer Getränke Bauchschmerzen oder Durchfall bekommen, obwohl die Zusammensetzung eigentlich gut für den Sport und die Leistung wäre. Deshalb ist hier wichtig, dass man ein Getränk auswählt, bei dem man sicher ist, dass der Körper auch mitmacht. Immer zuerst im Alltag ausprobieren.

Im Zusammenhang mit dem Fitness- und Krafttrainingsboom der letzten Jahre haben die vorhin von Ihnen erwähnten Eiweiss-Shakes immer mehr an Bedeutung gewonnen. Was bringen diese Shakes?
Was die Regeneration nach dem Training betrifft, haben solche Eiweiss-Shakes eine gute Wirkung. Nur beim Zeitpunkt der Einnahme ist man sich in der Wissenschaft noch nicht ganz einig. Soll es gleich im Anschluss an das Training sein? Oder doch erst am nächsten Tag? Das weiss man noch nicht genau. Sicher ist aber, dass das Eiweiss im Wachstum oder im Muskelaufbau einen wichtigen Faktor darstellt.

Kann zu viel Eiweiss schädlich für den Körper sein?
Nein, das kann man so nicht sagen. Das Problem bei den Eiweiss-Drinks ist eigentlich, dass man nicht genau weiss, welche Zusatzprodukte enthalten sind. Das Eiweiss selber ist nicht schädlich, dafür aber allfällige Verunreinigungen im Produkt. Darum ist es wichtig, dass die Drinks im Vornherein getestet wurden. Am besten informiert man sich, bevor man etwas zu sich nimmt.

Wer sich nicht schlau macht, welche Substanzen er vor sich hat, der lebt – zumindest im Fall von Spitzensportlern – ohnehin gefährlich. Stichwort: Doping.
Ja, von Doping ist dann die Rede, wenn ein Sportler etwas zu sich nimmt, das seine Leistungsfähigkeit derart steigert, dass es unfair wird. Als Mediziner sehe ich hierbei aber auch den Schaden für den Körper – und da ist es egal, ob man ein Spitzenathlet oder einfach nur ein Hobbysportler ist. Schaden tut es sowieso. Ich hatte auch schon Athleten bei mir, bei denen ich einen Leberschaden diagnostiziert habe. Als ich nachfragte, was sie denn geschluckt haben, meinten sie, sie hätten nichts zu sich genommen. Erst als ich nachhakte, hat sich herausgestellt, dass der Schaden von einem verunreinigten Eiweiss-Shake gekommen ist. Die Sportler waren sich dessen gar nicht bewusst.

Wer sauber und gesund bleiben möchte, der kommt also gar nicht um eine Beratung herum.
Ich bin ganz klar dafür, dass man die nötigen Abklärungen macht. Bei uns arbeiten wir beispielsweise nur mit Produkten, die von Swiss Olympic getestet wurden. Ansonsten ist der Markt aber riesig – da steckt auch die Wirtschaft dahinter, schliesslich wollen alle Verkäufer Geld verdienen. Da ist es klar, dass sie alle behaupten, ihre Produkte seien in Ordnung. Dabei hat es oft eben diese Verunreinigungen drin.

Wenn wir für eine Frage noch beim Thema Eiweiss bleiben: Können sich Sportler, die ausschliesslich vegan leben, mit genügend Proteinen versorgen?
Ja, das geht. Allerdings müssen Veganer, die viel Sport treiben, eine ganz ausgewogene Ernährung haben, bei der viele verschiedene pflanzliche Eiweisse vorhanden sind. Eigentlich würde ich aber empfehlen, dass Veganer, die im Sportbereich Fortschritte machen möchten, sich beraten lassen. Das gilt teilweise auch für Vegetarier – einfach damit sie wirklich zu allen Komponenten kommen, die ihr Körper braucht, um Leistung zu erbringen.

Bananen oder Sportriegel sind unter Hobbysportlern ebenfalls sehr beliebt, wenn es während des Sports um die schnelle Zufuhr von Energie geht. Doch sollte man währenddessen überhaupt etwas essen?
Sinn macht es eigentlich nur, wenn man wirklich sehr lange trainiert, ansonsten bräuchte es eigentlich keine solchen Snacks. Als Zwischenmahlzeit oder Pausenimbiss im Alltag eignen sich solche Sachen aber sehr gut.

Apropos Pause und Energiezufuhr: Was halten Sie als Sportmediziner von Energy-Drinks?
Im Sportbereich sind sie eine Katastrophe, die haben da gar nichts zu suchen. Aber auch ganz generell bin ich kein Freund von Energy-Drinks – sie bringen nur dann was, wenn man kurzfristig einen Koffeinschub herbeiführen möchte. Doch diese Drinks beinhalten so viel Zucker, dass es alles andere als ideal für den Körper ist.

Und damit wären wir schon beim Thema Fastfood angelangt.
(Schmunzelt) Gut, zwischendurch mal einen Burger mit Pommes frites zu essen, ist okay. Aber wenn man ein solches Menü natürlich eine Stunde vor einem intensiven Training zu sich nimmt, dann ist es ein Fehler. Fastfood nie vor dem Training essen – und schon gar nicht vor einem Wettkampf.

Was sagen Sie jenen Kaffeeliebhabern, die pro Tag mehrere Tassen trinken?
Der Kaffee hat vor allem auch den Nebeneffekt, dass man Wasser verliert. Das will man im Sport natürlich nicht noch zusätzlich fördern. Eigentlich geht es ja darum, die Wasserspeicher zu füllen. Zudem ist es bei zu viel Koffeinkonsum so, dass man zu zittern beginnt. Das heisst, die Konzentration schwindet, die Koordination ist nicht mehr ausreichend gut, man verliert quasi die Kontrolle. Deshalb gilt hier auch die Regel: Zu viel Kaffee ist nichts für einen Sportler.

Das vollständige Interview lesen Sie im „Volksblatt“ vom Mittwoch (24.02.2016).

(mp)

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