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Freitag - 22. Februar 2008 | 21:55

Kunst als Form der Kommunikation

VADUZ - Seit 15 Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Kroate Vlado Franjevic in Liechtenstein. Er begreift den Menschen als zoon politikon. Diesen Aspekt betont Franjevic in seiner künstlerischen Arbeit, die immer auch internationale Vernetzungsarbeit ist.
Kunst als Form der Kommunika­tion
 
Volksblatt: Liechtenstein feiert 15 Jahre Vlado. Was hat Sie damals bewogen, ins Land zu kommen?
Vlado Franjevic: Ins Land kam ich mit meiner damaligen Gattin, die eine «echte» Liechtensteinerin ist, während ich ein «eingekaufter» bin. Wir haben vier Jahre lang in St. Gallen gewohnt. Dann haben wir uns überlegt, ins Ländle zu kommen. Es war toll für mich, da ich bis dato in grösseren Städten gewohnt und dort ein buntes Leben geführt hatte. Ich brauchte Ruhe, um mich auf mein Schaffen zu konzentrieren. Aber wir sind nicht nur meinetwegen hergekommen. Sie wollte auch nach 15 Jahren Schweiz wieder zurück.

Die Liechtensteiner reden gerne von ihrer Identität. Sie sind jetzt auch einer. Spielt das Thema für Sie eine Rolle?
Ich habe mich frei entschieden und fühle mich als Liechtensteiner sehr wohl, wobei mein Herz anders schlägt, wenn ich in Kroatien bin. Ich bin hier zuhause, ich habe hier Freunde, Familie. Jemand hat gesagt: Alles, was ich habe, ist hier. Alles was ich bin, ist dort. Ich bin viel gereist und fühle ich mich überall wohl, wo ich Leuten begegne, mit denen ich mich gut austauschen kann. Ich habe eine unveräusserliche Identität, aber ich kann sie nicht an Nationen festmachen. Wenn ich Fussball schaue und Kroatien spielt, juble ich natürlich für Kroatien.

Was ist, wenn Kroatien gegen Liechtenstein spielt?
Das wird schwierig. Dann verschwinde ich. Das möchte ich nicht haben.

Warum haben Sie den Liechtensteiner Pass angenommen?
Irgendwann ist es doch nicht schlecht, zu wissen, wo man zuhause ist. Alle in meiner Familie sind Liechtensteiner, ich fühle mich hier seit 15 Jahren wohl und identifiziere mich mit dem Land. Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bedanken bei allen, die mir geholfen haben, seit ich hier als Nobody ankam, ob das private Personen waren oder Institutionen, und auch bei den Medien.

Wie war es für Sie damals, in der Liechtensteiner Kunstszene akzeptiert zu werden? Wie ist es jetzt?
In den 15 Jahren hat sich viel geändert. Verschiedene Institutionen wurden seither ins Leben gerufen. Ausser der Tangente und der Galerie am Lindenplatz gab es nichts. Meine Gattin und ich leiteten 1994 bis 1995 unsere eigene Galerie in Schaan, die Galerie Optimum. Wir präsentierten nicht nur meine Kunst, sondern internationale Künstler. Da passierten ganz tolle Sachen, aber es war vielleicht naiv, sich nach einem so kurzen Aufenthalt im Lande an so etwas zu wagen. Da ich ein sehr offener und kommunikativer Mensch bin und Liechtenstein so ein kleines Land ist, habe ich aber relativ schnell alle Leute in der Szene kennengelernt. Ich wurde von Anfang an respektiert. Ich war neu und vielleicht anders, aber die Kommunikation hat bestens funktioniert.

Sie tun sehr viel und sind omnipräsent in den hiesigen Medien. Haben Sie ein besonders starkes Bedürfnis, aus Ihrem Kämmerlein herauszutreten?
Ich weiss, dass ich sehr fleissig bin und dass ich das Bedürfnis habe, überall präsent zu sein. Kunst ist eine Form der Kommunikation für mich. Ich war immer ehrlich mit mir selbst, nur dann kann ich ehrlich nach aussen sein. Ich bin sehr aktiv auf Internetplattformen. Dort komme ich mit der internationalen Kunstszene in Berührung, mit Leuten, die mich weiterbringen. In letzter Zeit werde ich oft eingeladen, ich bin ich fürs Ausland interessant. Da draussen gibt es Orte, wo niemand irgendwelche Leute im Hintergrund hat. Dort kann man sich natürlich objektiver messen. Letzthin wurde einer meiner beiden Vorschläge für die 3. Biennale in Peking angenommen; ich werde hinfliegen zur Vernissage am 7. Juli. Ich könnte auch am Symposium teilnehmen, also der grossen Welt ein wenig erzählen. Das tue ich auch gerne, glaube ich, wie ich mich kenne. Das ist die grösste Anerkennung, die mir bisher zuteil geworden ist. Ich glaube, ich bin der Einzige aus Liechtenstein, der das wahrgenommen hat, wobei ich die Einladung durch den BBKL bekommen habe, wie alle meine Künstlerkollegen auch. Davor werde ich nach Frankfurt gehen. Dort haben Leute für mich etwas für mich etwas Grösseres organisiert. Im September bin ich in Ruggell, aber es ist noch zu früh, Genaueres zu sagen. Mir tut das natürlich gut: Ich bin eingeladen als Vlado, nicht als Liechtensteiner oder Kroate oder sonstwas. Es beweist, dass das, was ich tue, eine gewisse Qualität hat und dass ich sehr intensiv an meiner Entwicklung gearbeitet habe.

Was kommunizieren Sie mit Ihrer Kunst?
Alles, was ich nach draussen sende, hat mit dem Menschlichen zu tun, mit Verhältnissen zwischen Menschen, ihrer Mühsal, ihrem Glück. Ich speichere Information, und nach einer gewissen Zeit werfe ich das in künstlerische Form wieder aus. Ich erfinde nicht Neues, aber das was herauskommt, ist etwas Anderes. Mich bewegt der kleine, ungeschützte Mensch. Wenn ich Leute einlade aus der ganzen Welt, um mit mir zu arbeiten, schenke ich ihnen Aufmerksamkeit, und das bedeutet ihnen viel. Ich glaube, wenn jeder in etwa so funktionieren würde, ginge es uns besser.

Verknüpfen Sie damit ein politisches Denken?
Ich habe mich politisch geäussert mit meiner Kunst, aber das ist nicht unbedingt mein Ziel. De beiden Spiralkanäle z. B., die ich in Estland und Serbien gemacht und wo ich auch vernetzt gearbeitet habe, haben natürlich mit Politik zu tun: Das Thema in Estland war «Isolation». Die Leute konnten sich nicht nur in politischer Hinsicht dazu äussern, aber es wurde sehr viel über politische Isolation gesprochen. Und mein Projekt in Serbien «Wenn ich Serbien wäre» war natürlich im zeitgeschichtlichen Kontext des Balkans Politik. Aber ich bin da eher ein Beobachter, ich sammle Informationen und ich zeige auf, was Andere gesagt haben. Ich potenziere nichts. Ich weise die Leute auf gewisse Probleme hin, damit sie nachdenken. Aber ich sage nicht: So ist es.
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