Freitag - 20. Juli 2007 | 14:07

Spektakulärer Opernthriller

BREGENZ - Mit dem neuen Spiel auf dem See, der als «Opernthriller» angekündigten «Tosca»-Inszenierung von Philipp Himmelmann wagt der Regisseur, ein, wie er sagt, «dichtes, festgefügtes Kammerspiel» auf die gigantische Seebühne mit ihren technischen Möglichkeiten zu bringen. Diesmal gibt es keine Autos, Motorboote, Hubschrauber oder riesige Feuerwände. Ein gigantomanisches Spektakel ist es trotzdem wieder geworden.
Scarpia (Gidon Saks) und Cavaradossi (Zoran Todorovich) mit einer Videoeinblen­dung von Tosca (Nadja Michael).
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Zwei Welten prallen aufeinander, in zweierlei Hinsicht: Da ist einmal die Welt des naiven Künstlerpaars Floria Tosca und Mario Cavaradossi und dann die Welt des zynischen und sadistischen Polizeichefs Baron Scarpia. Da ist aber auch der Anspruch, ein psychologisches Kammerspiel um eine katastrophale Dreiecksgeschichte auf der Seebühne zu erzählen, dem Ort, wo für manche das technische Spektakel mehr zählt als alles andere. In Johannes Leiackers Bühnenbild ist das riesige Auge allgegenwärtig, das zugleich Toscas Eifersucht und ? passend zur aktuellen Diskussion v. a. in Deutschland ? Scarpias perfiden Überwachungsstaat symbolisiert. In der Tat gibt es viel zu sehen: Das dank aufwendigster Hydraulik enorm veränderliche Bühnenbild läst sich einerseits als perfekte Verkörperung des unmenschlichen Herrschaftsapparats lesen, andererseits erlaubt es ab dem zweiten Akt die Fokussierung auf die Protagonisten, die in relativ kleinen, intimen Räumen agieren und an ihrer Selbstüberschätzung scheitern. Trotzdem sind die Akteure weit weg und rudern, namentlich der gesanglich makellose Zoran Todorovich als Cavaradossi, mit den Armen in der Luft, als wollten sie signalisieren: Hier sind wir! Überzeugende gesangliche Leitungen bot auch die übrige Premierenbesetzung, allen voran Nadja Michael als Tosca und Gidon Saks als Scarpia.

Augenfällige Zitate

Die riesige Pixel-Iris, auf der im zweiten Akt eine Videoinstallation das Geschehen untermalt, lenkt den Blick von den Protagonisten ab, wobei die real unsichtbare Folterszene in der psychedelischen Videosequenz sicher nicht die schlechteste Lösung ist. Bei soviel Visualität fallen einem sofort Filmszenen ein: Das wackelige Malergerüst in der Kirche zitiert bewusst oder unbewusst, jedenfalls augenfällig, «Don?t Look Now», der Sex auf dem Tisch «The Postman Always Rings Twice», die chirurgische Folterung auf einer Rundplattform «Brazil», Toscas Sturz ins Nichts «2001: A Space Odyssey» und das Auge die beiden «1984», bzw., als die Pupille zu einem roten Punkt wird, wiederum «2001». Bei aller erfreulichen stilistischen Geschlossenheit wirkt diese Zitateflut etwas zusammengewürfelt.

Hochemotionale Musik

Man hätte mehr auf Puccinis hochemotionale, aufwühlende und düstere Musik vertrauen dürfen, die, eindrücklich von den Wiener Symphonikern unter Ulf Schirmer dargeboten, fast schon Kulisse genug wäre, wobei die mitunter blökend aussetzende Rundumbeschallung durch das hochgelobte System BOA ohnehin die Geschmacksfrage stellt. Nicht nur die Te-Deum-Szene am Schluss des 1. Aktes, wo Scarpia seine Macht vorführt, wirkt in ihrer Effekthascherei, mit dem Riesenkreuz und den unzähligen, grell beleuchteten Bischöfen, die auf Plattformen hinter der sich öffnenden Iris im Kunstnebel herumschweben, während unten eine Massenerschiessung stattfindet, seltsam komisch.
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