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Das Hilfs-Schiff "Lifeline" mit 230 Flüchtlingen an Bord wartet in internationalen Gewässern. Auf der Suche nach einem Hafen laufen Gespräche mit mehreren Staaten, die die Menschen aufnehmen könnten. (Bild vom 21. Juni)
Politik
International|23.06.2018

Flüchtlings-Hilfsschiff "Lifeline" sitzt auf dem Mittelmeer fest

ROM - Das von einer deutschen Organisation betriebene Flüchtlings-Hilfsschiff "Lifeline" harrt nach Drohungen der italienischen Regierung auf dem Mittelmeer aus. Das Schiff mit 230 Flüchtlingen an Bord wartete am Samstag in internationalen Gewässern.

Das Hilfs-Schiff "Lifeline" mit 230 Flüchtlingen an Bord wartet in internationalen Gewässern. Auf der Suche nach einem Hafen laufen Gespräche mit mehreren Staaten, die die Menschen aufnehmen könnten. (Bild vom 21. Juni)

ROM - Das von einer deutschen Organisation betriebene Flüchtlings-Hilfsschiff "Lifeline" harrt nach Drohungen der italienischen Regierung auf dem Mittelmeer aus. Das Schiff mit 230 Flüchtlingen an Bord wartete am Samstag in internationalen Gewässern.

Italien und Malta hatten der "Lifeline" das Anlaufen eines Hafens verweigert, Italien droht mit der Beschlagnahmung des Schiffes. Gemäss dem internationalen Seerecht müssen Schiffbrüchige gerettet und in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden.

"Italien anlaufen - das können sie vergessen!" schrieb der italienische Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei am Samstag auf Facebook. "Ich will dem Geschäft der Schlepper und der Mafia ein Ende setzen."

Italien wirft der "Lifeline" sowie dem Schiff "Seefuchs" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye vor, ohne rechtliche Grundlage unter niederländischer Flagge zu fahren. Die Organisationen weisen dies zurück. Zudem beschuldigt Italien Nichtregierungsorganisationen generell, mit Schleppern unter einer Decke zu stecken.

Rom wirft den Helfern auf der "Lifeline" vor, gegen internationales Recht verstossen zu haben, als die vor der libyschen Küste Flüchtlinge an Bord nahmen, obwohl bereits die libysche Küstenwache im Einsatz gewesen sei.

Die Hilfsorganisation Lifeline hatte sich am Freitag gegen die Attacken der italienischen Regierung verteidigt. Die Rettung Hunderter Menschen am Donnerstag sei in internationalen und nicht in libyschen Gewässern erfolgt, wie Italien behaupte, schrieb die Organisation auf Twitter.

Warten auf diplomatische Lösung

Das Schiff warte auf eine diplomatische Lösung, sagte Axel Steier von der Hilfsorganisation Lifeline am Samstag. Auf der Suche nach einem Hafen liefen Gespräche mit mehreren Staaten, die die Flüchtlinge an Bord aufnehmen könnten. Am Sonntag werde eine Versorgungslieferung aus Malta erwartet, um Decken, Medikamente und Nahrung für die 230 Flüchtlinge an Bord zu bringen.

Steier betonte, die Papiere des Schiffes seien in Ordnung. Er fürchte eine ähnliche Situation wie bei dem Flüchtlings-Hilfsschiff "Aquarius", das vor einer Woche tagelang mit 630 Flüchtlingen an Bord über das Mittelmeer geirrt war, nachdem Italien ihm das Anlaufen seiner Häfen verweigert hatte. Die "Aquarius" konnte schliesslich im spanischen Valencia anlegen.

Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat schrieb unterdessen auf Twitter, die "Lifeline" habe "die Regeln gebrochen", indem sie Anweisungen der italienischen Regierung ignoriert habe. Das Schiff solle "an sein ursprüngliches Ziel zurückkehren, um eine Eskalation zu vermeiden".

Unterstützung von dänischer Reederei

Die dänische Reederei Maersk Line berichtete derweil, eines ihrer Containerschiffe habe nahe der italienischen Küste 113 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Die Besatzung der "Lifeline" half dabei, die Flüchtlinge von einem Schlauchboot an Bord des Containerschiffs zu bringen.

Die spanische Seenotrettung brachte bei drei Rettungseinsätzen am Samstag insgesamt 569 Menschen in Sicherheit. Vor der libyschen Küste wurden nach Angaben der libyschen Marine fast 200 Flüchtlinge gerettet, fünf Menschen ertranken.

Wegen des guten Wetters nahm die Zahl der Flüchtlinge, die von Libyen aus in häufig kaum seetauglichen Booten in Richtung Europa aufbrechen, in den vergangenen Wochen wieder zu.

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