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Mittwoch - 4. Oktober 2017 | 09:06 (Aktualisiert am 04.10.17 09:28)

Beim Firmunterricht in Triesen scheiden sich die Geister

VADUZ Sind Sie Katholik und waren am letzten Sonntag nicht in der Kirche? Dann sind Sie jetzt ein schwerer Sünder und dürfen beim nächsten Kirchgang nicht die Kommunion empfangen, sondern lediglich mit vor der Brust gekreuzten Armen den Segen des Pfarrers, es sei denn, Sie gehen vorher zur Beichte. So lernen es die Firmlinge in Triesen. Eltern sind entgeistert.

Kinder, die in Triesen einen Sonntagsgottesdienst versäumt haben, dürfen keine Hostie empfangen. (Symbolfoto: SSI)

Die Firmlinge werden dort mit zweierlei Mitteln dazu animiert, der Sonntagspflicht nachzukommen. Erstens haben sie eine Punktekarte, auf der sie mit «Kleberchen» ihre Anzahl Kirchgänge dokumentieren können – als Belohnung winkt ein Essen mit dem Herrn Kaplan. Zweitens aber hat Kaplan Sebastian Harwardt den Kindern klar zu verstehen gegeben, dass es eine schwere Sünde ist, der Sonntagsmesse fernzubleiben. In einem Brief an Eltern, die sich über diese Praxis gewundert hatten, berief sich der Kaplan auf den Katechismus der Katholischen Kirche. Da stehe unter der Nummer 2181: «Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z. B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch den Pfarrer dispensiert sind. Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.»

Beschwerden beim Schulamt und Gemeinde

Diese strikte Auslegung des Katechismus geht jedoch verschiedenen Eltern gegen den Strich. Sie haben sich beim Schulamt und bei der Gemeinde beschwert. Doch was den Inhalt des Religions- bzw. Firmunterrichts betrifft, sind beiden die Hände gebunden. Da trotz vieler Bemühungen in Liechtenstein noch keine klare Trennung von Kirche und Staat erreicht werden konnte, stelle sich die Situation komplex dar, erklärte Sandra Büchel-Thalmaier, Koordinationsperson für den Fachbereich Religion beim Schulamt. «Die staatliche Aufsicht darf nicht in die kirchliche Lehre eingreifen. Wenn Eltern diesbezüglich Reklamationen haben, müssen sie sich an den Pfarrer bzw. das Erzbistum wenden. Die Gemeinde bzw. das Schulamt kann jedoch im Rahmen der staatlichen Überprüfung darauf achten, ob die Inhalte altersgerecht und pädagogisch verantwortet vermittelt werden», so Büchel-Thalmeier. Inwieweit dies nun in besagtem Fall geschieht, liess sie offen.

Aber auch die Gemeinde als Arbeitgeber und Lohnzahler des Kaplans hat wenig Spielraum. Ob Massnahmen angezeigt sind, kann Vorsteher Günter Mahl noch nicht sagen: «Personalangelegenheiten werden mit den Involvierten sowie in den zuständigen internen Gremien (Schulrat, Personalkommission, Gemeinderat) geklärt. Erst danach wird/kann die Gemeinde gegebenenfalls öffentlich dazu Stellung beziehen.

Mehr dazu lesen Sie im „Volksblatt“ vom Mittwoch (4.10.20) und in der Onlineausgabe.

(dq)

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