Leserbriefe
Mittwoch, 19. April 2017
Sehr geehrter Herr Matt

Quotendebatte

Sie haben im Editorial der April-Ausgabe des «Unternehmers» vollkommen Recht: Rote Strickmützen reichen nicht, um die längst überfällige Gleichstellung der Frauen in Politik, Berufsleben und Gesellschaft voranzutreiben. Und dies liegt nicht an der Tatsache, dass es sich nicht um rote, sondern eigentlich um pinke Strickmützen handelt, die mittlerweile weltweit als Symbol gegen die sexistische Behandlung von hochrangigen Politikern oder Wirtschaftsakteuren gegenüber Frauen bekannt sind. Es liegt auch nicht an der Tatsache, dass Sie mit Ihren Aussagen – wohl unbewusst – deutlich aufzeigen, wie dringend wir hier in Liechtenstein einen Verein für Menschenrechte brauchen. Wir brauchen nicht nur Frauen, die sich für Politik, Wirtschaft oder den Verein für Menschenrechte interessieren, wie Sie das in Ihrer Kolumne fordern. Daran mangelt es nicht. Es braucht vielmehr das Eingeständnis, dass für Vorstandssitze und berufliche oder politische Karrieren nicht nur fachliche Qualifikationen ausschlaggebend sind, sondern dass oft immer noch männliche Netzwerke, Parteizugehörigkeit und die Dominanz der Männer in den Führungspositionen dazu führen, dass Männer Frauen mit gleichwertiger fachlicher Qualifikation vorgezogen werden. Gefragt ist eine Gesellschaft, die es Frauen ebenso wie Männern ermöglicht, wertvolle Aufgaben für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auszuüben. Für Frauen gestalten sich hierzu die Rahmenbedingungen allerdings wesentlich schwieriger – unter anderem aufgrund der oftmals einseitigen Verantwortung für unbezahlte Betreuungs- und Hausarbeit, der finanziellen Minderbewertung von als typisch weiblich eingestuften Berufen und der traditionellen Rollenbilder, die Frauen wie Männer auf einengende Stereotype festlegen. Im Gegensatz zu männlichen Politikern können Frauen ausserdem weniger auf einen Ehemann oder Partner vertrauen, der ihnen den «Rücken freihält», damit sie diese Ämter überhaupt ausführen können. Diese Rahmenbedingungen müssen unbedingt verändert werden, und da sind wir alle gefordert. Für Frauen soll es genauso wie für Männer selbstverständlich sein, öffentlichkeitswirksam tätig zu sein und die Lorbeeren für ihre oft unentgeltliche Arbeit ernten zu können. Das geht aber nur, wenn gewisse Teile der Gesellschaft nicht bei jedem Vorstoss sofort rot sehen, sondern die Zukunft zumindest ab und zu durch eine «rosarote Brille» betrachten. Der Originaltext, auf den Bezug genommen wird, ist online abrufbar unter: http://www.wirtschaftskammer.li/2014-unternehmer/aktuelle-ausgabe/).

Vorstand Frauennetz Liechtenstein

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