Mittwoch - 22. Juli 2009 | 16:38
«United Designs» 2013 in Liechtenstein?
TRIESEN/NORTHRIDGE, CA - Bis 31. Juli dauert die 4. «United Designs Exhibition», die heuer an der California State University stattfindet. 300 Designer aus 25 Ländern zeigen fünf Wochen lang Arbeiten zu ökologischen Themen. Der liechtensteinische Teilnehmer Vlado Franjevic möchte das Designertreffen 2013 nach Liechtenstein holen. «Vlado ist eine Marke», sagt Francevic selbstbewusst im «Volksblatt»-Interview.
«Volksblatt»: Was haben Sie in Northridge gezeigt? Vlado Franjevic: Ich habe ein Plakat ausgestellt zum Thema Naturschutz, Ökologie. Das war auch Hauptthema des Ganzen. Gezeigt wurde auch Grafikdesign von ganz grossen Firmen, aus Kanada, aus Italien.
Sie besuchten 2006 die «Symposiodesign Amman» in Jordanien. Wurden Sie dort für heuer nach Kalifornien eingeladen?Ja, dort habe ich Albert Inyoung Choi kennengelernt, Vizepräsident der Korean Society Experimentation in Contemporary Design (KECD) und Chefdirektor der 4. United Designs, der international anscheinend einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Er hat mich persönlich eingeladen.
Was waren Ihre Eindrücke von der «United Designs»? Wie schätzen Sie die Veranstaltung ein?Zunächst einmal: Dadurch, dass sie an einer Universität präsentiert wurde, hatte sie eine edukative Ebene, denn dort waren all die Studenten, die Kunst und Design studieren. Zweitens geht es um interkulturelle Vernetzung. Es ist natürlich immer spannend zu sehen, was die Grafikdesigner zum gleichen Thema aus anderen Kulturkreisen und anderen Ländern machen. Auch die Freundschaftspflege wurde ganz klar betont. Man möchte eine gewisse positive Masse der intellektuellen Strukturen in diesem Bereich zusammenbringen und noch weitere Leute hereinholen. Eine ganz wunderbare, tolle, positive Energie war das im Ganzen.
Gab es inhaltliche Tendenzen? Standen regionale oder globale Fragestellungen im Vordergrund?Es ging in jedem Fall um globale Umweltthemen. In machen Arbeiten wurden z. B. Probleme mit dem Wasser thematisiert, in anderen die Vernichtung der Wälder. Es ging darum, verständlich zu machen, dass man in diesen Belangen nur gemeinsam etwas bewirken kann.
Hatten Sie den Eindruck, dass Beiträge aus «westlichen» Demokratien kritischer waren, oder gibt es da keinen Unterschied?Das ist schwierig. Unsere Kritik sieht einfach anders aus als Kritik aus anderen Ländern, die in ihrem Kulturkreis vielleicht auch die gleiche Wirkung hat wie unsere hier; trotzdem könnte es aus unserer Perspektive «milder» aussehen. Das ist gerade das Spannende: Man versteht besser, wie wir alle miteinander funktionieren, wo die Unterschiede sind.
Welchen Gewinn haben Sie von Ihrer Teilnahme an der 4. «United Designs»?Ich habe Anerkennung auf internationaler Ebene erfahren. Ich wurde dort nicht nur als Grafikdesigner eingeladen, weil ich das nicht direkt bin. Ich habe sicher auch Kleinigkeiten gemacht in dem Bereich, aber weil ich von der Ausbildung her kein Grafikdesigner bin, gehe ich damit anders um als die «Profis». Ich möchte mich nicht etablieren als Grafikdesigner. Ich habe ganz tolle Profis in dem Bereich kennengelernt, Professoren von der dortigen Universität und Grafikdesigner aus Korea, die mich gleich eingeladen haben: Ich könnte jetzt in Korea an einem ganz grossen «Event» teilnehmen.
2006 war es dem Kulturbeirat wichtig, dass Sie in Amman nicht als offizieller Vertreter Liechtensteins auftraten. Hatten Sie diesmal eine richtige Förderung durch die Kulturstiftung im Rücken?Ja, gefördert wurde ich diesmal von der Kulturstiftung Liechtenstein und der RHW-Stiftung aus Triesen. Gesponsert wurde ich von BVD Druck mit einem Katalog. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich war positiv angetan, weil ich auch andere Erfahrungen habe. Damals hiess es leider, grob gesagt, ich solle mich lieber dem widmen, wovon ich etwas verstehe, weil ich eben kein Grafikdesigner bin. Das fand ich natürlich nicht gerade lustig, weil ich mich nicht selber dorthin eingeladen hatte und weil ich nicht als Grafikdesigner eingeladen wurde, sondern als Vlado: D. h. Vlado ist eine Marke.
«United Designs» in Liechtenstein?
Trifft es zu, dass die Aussicht besteht, dass die Biennale «United Designs» 2013 zu uns nach Liechtenstein kommt?
Es besteht Interesse seitens des Vaters dieser Idee, Albert Inyoung Choi. Ich denke schon, dass das ein Gewinn wäre für Liechtenstein. Ich werde mit Organisationen hier darüber sprechen, ob sie Interesse hätten. Ich werde eine Vermittlerrolle spielen, nehme ich an. Und wenn das nicht von Interesse für Liechtenstein ist, werde ich es «weiterschieben». Natürlich war diese Anfrage für mich ein grosses Kompliment, nicht nur ein Kompliment für mein Schaffen, sondern auch Ausdruck grossen Vertrauens in mich als Person. Es ist halt so, dass mir vermehrt Vertrauen entgegengebracht wird im Ausland, im verschiedenen Teilen der Welt, und das kommt vermutlich nicht von ungefähr. Dahinter steht schon langjährige «Selbstvermarktungs»-Arbeit.
Würden Sie die Kunstszene vermehrt einbinden, oder ginge es wohl eher in Richtung Grafikdesign als angewandter Berufszweig?
Ja, das ist die Frage: Soviel ich weiss, gibt es hier keine «graphic design association» oder so etwas. Ich kann mir vorstellen, mit dem BBKL zu sprechen; dabei sind natürlich einige Künstlerkollegen und -kolleginnen, die sowieso auch grafisch arbeiten. Aber natürlich sehe ich auch andere Institutionen als mögliche Träger des Projekts. Warum nicht die Kunstschule? Natürlich ist jetzt die Frage, wie man das angehen könnte. Man kann das im kleineren Rahmen mit weniger Geld realisieren, oder man könnte vielleicht mit etwas mehr Geld mehr machen. Ich kann mir vorstellen, dass es für graphische Ateliers hier nicht schlecht wäre, wenn sich die internationale Szene hier versammelt. Diese Leute bringen ihre Netzwerke mit, und da ist viel Potenzial, um sich weiterzuvernetzen und in Zukunft wieder eingeladen zu werden.
Können Sie uns etwas zu ihrem Plakat sagen?Ich habe aus meinen vorhandenen Bildmotiven etwas Neues gebastelt und Elemente aus drei verschiedenen Kunstwerken ausgeschnitten; das ist im Prinzip eine Collage. Oben steht das Göttliche, das Auge Gottes, und schaut. Und unten sind Pflänzchen, die sich propellermässig bewegen. Ich nenne es «From Green to Black and Back».
Es geht um Bewusstwerdung von ökologischer Veränderung und Verantwortung des Menschen?Genau. Der zentrale Teil ist ein Motiv aus einem Bild, das «Verwundete Symbiose» heisst. Das ist ein Wal, auf dem ein Baum wächst. Und dieser Wal ist gestrandet und auf zwei Hölzern. Also mit diesen Themen habe ich mich schon lange beschäftigt. Diese Elemente benutze ich jetzt einfach für weitere Geschichten.
Sehen Sie in Liechtenstein ökologische Themen, die Sie bewegen?Mich beschäftigt es schon, dass man mehr und mehr Grünfläche zubetoniert oder Asphalt drüberleert. Ich habe mich oft gefragt: Ja Mann, muss das sein? Aber natürlich gewöhnt man sich mit der Zeit daran. Von den Politikern wird das immer so erklärt: Es geht um die Sicherung von Arbeitsplätzen, man muss arbeiten, und es gibt eben wenig Platz in Liechtenstein. Dann werden wir das eben noch zubetonieren. Aber, wie in grossen geopolitischen Räumen, so ist in unserem kleinen geopolitischen Raum eine sehr wichtige Frage, wie wir mit unseren natürlichen Ressourcen umgehen. Man lernt leider nicht von denen, die etwas versaut haben und jetzt sagen: Mein Gott, warum haben wir das oder das gemacht?! Zuerst muss man immer etwas machen, und dann muss man versuchen, es zu reparieren. Aber mit der Natur ist das schwierig. Sie lässt sich nicht so einfach reparieren. Ich bin sicher kein Pessimist, aber jeder normale Mensch sieht, dass sich das alles zuspitzt.
http://www.vlado.li/usa-2009/