Gaben Kostproben aus ihren Werken zum Besten: (v.l.) Herausgeberin und Autorin, Andrea Gerster mit den Autorinnen Daniela Egger, Sabine Bockmühl und Loretta Federspiel. (Foto: Nils Vollmar)
Kultur
Liechtenstein|08.12.2017

Haben und Sein: Armut aus weiblicher Perspektive

SCHAAN - Autorinnen aus Liechtenstein, Schweiz, Deutschland und Österreich lasen in der Alten Metzg Texte zum Thema Armut und boten einen weiblichen Blick auf dieses mit Scham besetzte Thema.

Gaben Kostproben aus ihren Werken zum Besten: (v.l.) Herausgeberin und Autorin, Andrea Gerster mit den Autorinnen Daniela Egger, Sabine Bockmühl und Loretta Federspiel. (Foto: Nils Vollmar)

SCHAAN - Autorinnen aus Liechtenstein, Schweiz, Deutschland und Österreich lasen in der Alten Metzg Texte zum Thema Armut und boten einen weiblichen Blick auf dieses mit Scham besetzte Thema.

Für die Anthologie V#33 mit dem Titel «Haben und Sein» luden die Autorinnen Andrea Gerster und Christina Walker Kolleginnen aus dem deutschsprachigen Raum ein, Texte über die Armut und das Armsein zu schreiben. Ein buntes Kaleidoskop an empathischen, persönlichen, verstörenden und frechen Geschichten ist dabei entstanden. Andrea Gerster als Programmverantwortliche und Mitherausgeberin führte die Gäste durch den Abend. Bereits zum dritten Mal gestalteten die Autorinnen die Lesung der jüngsten Publikation und machten auf feinsinnige Art auf ein brisantes Thema aufmerksam. Im Anschluss wurde bei einer warmen Suppe den berührenden Geschichten nachgespürt.

Ergreifendes und Inspirierendes

Gelesen haben die Autorinnen Daniela Egger, Loretta Federspiel und Sabine Bockmühl. In ihrem Text «Nach Italien, für immer» erzählt Daniela Egger über eine Kindheit in einer Vorarlberger Kleinstadt und wie das Geldverhalten in der Kindheit geprägt wird. Sie erzählt ihre Geschichte in einer wunderbar klaren und doch detailgetreuen Sprache, die den Zuhörer auf eine Reise in die Familie mitnimmt und ihn zugleich seine eigenen Erfahrungen reflektieren lässt. Loretta Federspiel ist Autorin, Publizistin und Märchenerzählerin. Ihr Text «Le rosaire» nimmt mit auf eine Walfahrt in die Pyrenäen, in eine erzkatholische Rosenkranzgemeinschaft und widmet sich ganz den «Armen im Geiste». Schon sehr aufmüpfig kommt dann Sabine Bockmühl mit ihrem Beitrag «Damenbart» daher. Eine Fabriksarbeiterin steht vor Gericht, sie ist angeklagt wegen einer politisch motivierten Straftat, für eine andere Form der Politik hat sie keine Kapazitäten.

Zuhören und Hinsehen

«Menschen suchen in Mülleimern nach Pfandflaschen, andere sitzen in der Fussgängerzone und halten die Hand auf. Doch die meisten, die zu wenig haben, sehen wir gar nicht, sollten wir nicht zufällig die eine oder den anderen davon kennen.» So beginnt die Ausgabe V#33 und weist hin auf die Armut am Wegesrand und die versteckte Armut hinter verschlossenen Türen. Die Armut ist weiblich. Frauen geben für die Familie oft Ausbildung oder Erwerbsarbeit auf. Und leiden später an den Folgen, weil sie vielfach durch die Maschen der Politik fallen. Ein weiblicher Blick kann helfen, sich der Thematik differenzierter zu nähern. Armut hat viele Facetten, und trotzdem sieht man ihre Gesichter selten. Wie unlieb ist auch ihr Anblick, wenn wir auf der Suche nach Zerstreuung durch die Stadt bummeln. «Haben und Sein» widmet sich der Armut ohne erhobenen Zeigefinger und macht auf vielfältige, aber immer empfindsame Art auf ein tabuisiertes Thema aufmerksam.

(jcm)

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