Markus Wille vom Filmclub Takino (links) mit den Filmemachern Oliver Primus (mitte) und Arno Oehri. (Foto: Nils Vollmar)
Kultur
Liechtenstein|08.12.2017 (Aktualisiert am 08.12.17 17:00)

Das Denkmal einer Jazzlegende: «meeting John Abercrombie»

SCHAAN - Das Takino zeigte einen bewegenden Film über die Jazzlegende John Abercrombie.

Markus Wille vom Filmclub Takino (links) mit den Filmemachern Oliver Primus (mitte) und Arno Oehri. (Foto: Nils Vollmar)

SCHAAN - Das Takino zeigte einen bewegenden Film über die Jazzlegende John Abercrombie.

«Mir ist bewusst, dass ich einer der Gesegneten bin», hat Jazz-Gitarrist John Abercrombie in einem seiner letzten Interviews in der kanadischen Zeitung «Ottawa Citizen» gesagt. Bei dieser Aussage ging es ihm um die prekäre Zukunft seiner Kunst. Abercrombie, der selbst Jazz an einer Universität in New York lehrte, wusste, dass junge Musiker des Genres heute kaum mehr Arbeit finden und weit unter ihrem Talent bezahlt werden. Für ihn war es ein Segen, über vier Jahrzehnte das tun zu können, was er liebte.
Mit 14 begann Abercrombie, der 1944 in Port Chester im US-Bundesstaat New York als Sohn von schottischen Einwanderern geboren wurde, Jazz zu spielen. Obwohl vom Rock’n’Roller Chuck Berry beeinflusst, fand er schnell zum Jazz. 1967 begann seine Kariere als Gitarrist in der Band des US-amerikanischen Musikers und Komponisten Johnny Hammond Smith. Abercrombie war es, der die E-Gitarre in der Jazzmusik etablierte. In den frühen Siebzigern war er einer der gefragtesten Session-Spieler. 1974 veröffentlichte Abercrombie sein erstes eigenes Album. Zuletzt spielte der Ausnahmegitarrist in einem Quartett mit anderen namhaften Musikern.

«So bescheiden war John»

Am 22. August 2017 starb John Abercrombie im Alter von 72 Jahren nach langer Krankheit. Dadurch hat der neue Film «open land - meeting john abercrombie» an Bedeutung gewonnen. Die Filmschaffenden Arno Oehri und Oliver Primus haben mit dieser Dokumentation ein gefühlvolles Portrait des Künstlers produziert. Abercrombie galt in der Jazz-Szene als besonders feinfühliger und kreativer Komponist und Gitarren-Virtuose. Feinfühlig und kreativ ging auch der liechtensteinische Regisseur Arno Oehri, der selbst ein Multimedia-Künstler ist, an das Werk heran. Der Film wechselt – durch kunstvoll inszenierte Filmschnitte – zwischen Musikpassagen und Interviews, woran Oliver Primus einen wichtigen Anteil hatte. Er war es auch, der schon etliche Jahre Kontakt zum Jazzmusiker Abercrombie pflegte und diesem den Vorschlag zur Produktion einer Filmdokumentation unterbreitete. «Er hat am Telefon gefragt, warum über ihn. Er sei doch kein so guter Gitarrist. So bescheiden war John», erklärte Primus, der die Idee zum Film hatte. Diese Bescheidenheit ist auch im Film deutlich erkennbar. Man spürt die Sensibilität, die Intelligenz und Besonnenheit, welche so überhaupt nicht zum Erscheinungsbild dieses grossgewachsenen Mannes passt.

Doch gerade dieser Zwiespalt zwischen Gross und Klein, Vorurteil und Wahrheit, Enge und Freiheit zieht sich durch das Leben des Musikers. Wenn Abercrombie über Musik spricht, hat es Gewicht, keine Phrasen, keine Plattitüden kommen vor. Das wird auch im Film deutlich. Abercrombie erzählt nicht nur über Musik, sondern auch über seine Kindheit, seine Familie und seine Schicksalsschläge. Das Zentrum des Films bildet jedoch der Auftritt des Musikers in der Tangente in Eschen aus dem Jahr 2014, bei dem mit vier Kameras gefilmt wurde. Dabei wird Abercrombie das einzige Mal auf der Bühne gezeigt. Der Film endet wieder in seinem Haus in der Nähe von New York. Insgesamt wurde Abercrombie von den Filmschaffenden drei Mal in den USA besucht. Das letzte Mal im Jahr 2016 als er einen Rohschnitt des Films sah. «Dabei hat er mir das grösste Kompliment gemacht», erklärte Oehri. «Nachdem er den Film gesehen hatte, war er kurz still und sagte dann: ‹Well. That’s me.›»

(ss)

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