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Adventskalender
Liechtenstein|06.12.2017

6. Dezember: Dr Semiklos z'Bsuach

SCHELLENBERG - Rechtzeitig zum Nikolaustag eine kleine Geschichte aus Liechtensteins Vergangenheit.

SCHELLENBERG - Rechtzeitig zum Nikolaustag eine kleine Geschichte aus Liechtensteins Vergangenheit.

Die Adventszeit ist der Endspurt des Jahres. Neben der Hektik die der Weihnachtseinkauf und die geschäftige Zeit bei der Arbeit mit sich bringt, sollte man Zeit finden um innezuhalten. Sich der guten und schönen Dinge im Leben bewusst zu werden. Weihnachtsgeschichten helfen uns die wertvollen Momente im Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen. Martina Büchel nimmt diese Sicht ein und schreibt über frühere Zeiten. Ihre Geschichten handeln vom schlichten Leben, vom weniger haben und doch glücklich sein. Hier ein Auszug aus «Nanas Gschechta»:

Fotoaufnahme der Familie Büchel (hinten v.l.n.r. Paul, Arthur, Josef, Alfred, Georg und Martina; vorne Maria und Paul) (Foto: ZVG)

Wia i dr Semiklosbsuach erlebt ha

I bi acht Johr alt gsi und hör vo da Erwachsena, jetzt kunnt bald der Semiklos. Du muascht recht brav si. Was könnt i o macha, dass der Semiklos met miar zfreda wär. D Ahna woss all an Rot. Mach a Vaterunserhölzli.

Es isch denn endlig Obed und dunkel worda. Uf o mol polterets und rasslets vor der Hustüar.

Was isch wohl das? Das isch aso an 20 Zentimeter langa Haselnossschtäcka. Denn isch met jedem «Vaterunser», wo ma bätet hat, a Kärba i der Schtäcka gmacht worda. I has denn zu etlicha Kärba brocht. I bi voll Erwartig gsi, was der Semiklos derzua set. Mini Brüader hon denn gschpöttlet, «Duuu, met dim Vaterunserhölzli.» Es isch denn endlig Obed und dunkel worda. Uf o mol polterets und rasslets vor der Hustüar. Ma hört a Glöckli und scho schtoht der Semiklos met dem Krampus vor üserem Grüppli Kind ir Schtoba. Miar hon a so a füarchtige Angscht ka. Der gross Semiklos med sim langa Bart und dem schöna Mantel, das wär ned aso schlimm gsi. Jedoch der schwarz Krampus med anra Ketti, wia wenn er om met ne wett, grad id Höll. Min älteschta Bruader, der hät, wia ma set, dr Brota gschpannt. Er hät eba ko guats Gwessa ka. Wäga sina Lusbuabastreich, i der Kircha nia ruhig gsi und üs klina Gschwöschterta bloget und met üs gschtretta, isch er ganz homlig us der Schtoba gschlecha, vor s epert hät könna beobachta. Under der Kammerschtäga hät er sich verschteckt. Dozumol isch der Husgang noch dunkel gsi, ohni elektrisches Liacht.

Martina Büchel (Foto: Martin Walser)

Füars erscht hon miar a «Vaterunser» bätet. Was der Semiklos us sim Buach gläsa hät, isch miar öberhaupt ned im Gedächtnis bleba. Ganz zaghaft well i das Vaterunserhölzli zoga, jedoch der nint überhaupt ko Notiz vo mim Hölzli. Viellecht hät er der Bruch öberhaupt ned kennt. Das isch mini erscht Enttüschig gsi. Nocher hät s Schuallesebuach müassa ufa Tesch. Min Bruader hät Schwiarigkeita ka bim Lesa. I glob vor luter Ufregig. I han em denn a paar Wörtli igflüschtret. Aber oh weh, scho hät der Semiklos uf d Finger ghaua. Noch langem, ohni dass der Schlingel wo verschwunda gsi isch, hät gschtroft wera könna, lährt dr Semiklos sin Sack us: Nöss, teerti Zwetschga, viil Figa und a paar Öpfel, aber ko Lebküacha. Noch a mol a grossi Enttüschig. I wär jo med am allerklinschta Krümmile glücklich gsi. Mini Metschüaler hon am folgenda Tag iar Pausi Lebkuacha gessa. Miar Gschwöschterta halt eba üsri Öpfel.

Der Semiklosbsuach hani nia richtig verschmerza könna aber mengi Gschecht ninnt a guats End. Als Ahna bin i met dr Schwiegertochter und zwo Enkelinna an Wiahnachtsmarkt. Döt hon d Kind d Glegaheit ka zum selber Lebkuacha verziara. Mini Enkelin well kon Lebkuacha. Aber füar d Ahna möcht i scho gern an Lebkuacha verziara. Der Lebkuacha hani med grosser Fröd entgäga kno. Miar isch das gsi wia a Versöhnig us minera Kindheit.

(lk)

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