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Leserbrief

Ein Abend an der Universität

Jens Ockert, Landstrasse 340, Triesen | 9. Dezember 2022

Als einer von drei externen Gästen einer Vorlesung zum Thema «Nachhaltigkeit von Investments» durfte ich miterleben, wie junge Studenten an der Universität in Vaduz von einer grünen Welle in Sachen Vermögensverwaltung überzeugt werden sollten. Bankenverbandschef Tribelhorn mühte sich redlich durch seine Präsentation und zeigte auf, dass der supranationale Ideologiewahnsinn auch bei diesem Thema im Bankgeschäft Einzug gehalten hat. Man kämpft quasi im Portfolio gegen den Klimawandel. So weit so gut. Nur sind die Instrumente dahin sehr fraglich, da die Definition von «grüner Investition» keine klare ist und die bisherige positive Wertentwicklung ausgewählter Investments offenbar weitesgehend durch Nachfrage und weniger durch Gewinne der Unternehmen getrieben wird. Das Hauptproblem ist eben nicht, den Banker zu überzeugen, mehr grüne Portfolios dem Bankkunden anzubieten, sondern dem Kunden beizubringen, dass die von ihm investierten Mittel das Klima ändern können sollen.
Der anwesende Vertreter der FMA wies gleich darauf hin, dass es in den Banken im Land keinen Widerstand gegen diese Entwicklung gibt. Die Preisentwicklung eines Bitcoin zeigt uns aber, dass allein aus der staatlich verordneten Nachfrage nach grünen Investments kein nachhaltiger Profit für den Bankkunden zwangsläufig entsteht. Mit dieser These stand ich bis auf einen Studenten mutmasslich ganz allein.
Es gab auch noch vom Lehrpersonal den Einwurf, dass die Ethik auch ein Zuhause in einem Portfolio haben sollte. Leider kann ich mich nicht erinnern, je im Zusammenhang mit dem Kapitalismus die Ethik in der Tat gesehen zu haben und muss noch jetzt milde schmunzeln über soviel realitätsfernen ­Idealismus im Elfenbeinturm der Wissenschaft.

Jens Ockert,
Landstrasse 340, Triesen

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