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Leserbrief

Brand gelöscht – Brandursache unter den Teppich gekehrt

Erich Hasler, DpL-Abgeordneter | 7. Dezember 2022

In der Vergangenheit wurde wiederholt auf das toxische Klima an der Uni hingewiesen, das offensichtlich dafür verantwortlich ist, dass in den vergangenen Jahren namhafte Professoren der Uni den Rücken zugekehrt haben. Die ans Tageslicht gespülten Chat-Protokolle geben einen guten Einblick, wie der Umgang zwischen der strategischen Ebene, Rektorat und Professorenschaft war. Ein Dementi der irritierenden Aussagen des Uniratspräsidenten gab es nicht, nur den Versuch eines Sichherausredens. Auch der Gesamt-Unirat hat sich nicht von diesen Aussagen distanziert. Ein (versuchter) Neuanfang bedingt eine Aufarbeitung des Geschehenen und das Ziehen entsprechender Konsequenzen. Eine öffentliche Diskussion über die Uni hat die Regierung bisher verhindert. Der Bericht und Antrag über die Gewährung eines Staatsbeitrags an die Universität Liechtenstein für die Jahre 2023 bis 2025 wurde von der Regierung zurückgezogen. Stattdessen wurde der Uni über das ordentliche Budget praktisch die gleiche Summe für ein Jahr zugesprochen, u. U. auch deswegen, weil das Gerücht eines Referendums im Raum herumgeisterte. Dabei hat der Landtag nur eine Verschiebung des Traktandums auf die Dezember-Sitzung beschlossen, nicht aber eine Zurückweisung an die Regierung. Zur Sprache gekommen wäre dann wohl auch der Bericht der Finanzkontrolle zur Uni, der bislang als vertraulich gilt und einige Mängel aufgezeigt hat. Auch der von der schweizerischen Akkreditierungsbehörde AAQ verfasste Bericht (https://aaq.ch/verfahrensberichte/), obwohl insgesamt positiv, hat einige Rügen bereit: So wird darin bemängelt, dass «die Regierung über eine nach internationalen Massstäben unübliche und ausserordentlich grosse Möglichkeit der Einflussnahme verfügt, indem sie die Zusammensetzung des Universitätsrats als Gremium und die «fachlichen und personellen Anforderungen […] jedes Mitglieds des Universitätsrats» festlegt (Art. 10 LUG). Zudem entscheide der Universitätsrat über Berufung und Abberufung von Professoren, Einsetzung von Beiräten etc. Hinzu komme, dass die Zusammensetzung des Unirates nicht gewährleiste, dass die Vertreter der Wissenschaft die Mehrheit haben und der Unirat somit wissenschaftsgeleitet sei, was im internationalen Vergleich üblicherweise als wesentlich für Freiheit von Forschung und Lehre angesehen wird. Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis: Eine Universität macht man nicht, indem man eine Institution als Universität bezeichnet. Dazu gehören entsprechende Strukturen. Der Akkreditierungsbericht hält dazu fest: «Akademische Freiheit und Autonomie bedeuten, dass in Fragen universitärer Lehre und Forschung, aber auch in der Universitätsstrategie die Wissenschaft und nicht die Politik das letzte Wort haben sollte.» Die Machtfülle und die nicht wissenschaftsgeleitete Zusammensetzung des jetzigen Unirates dürfte also mit ein Grund, wenn nicht der wesentliche Grund für die Turbulenzen der vergangenen fünf Jahre sein. Die Regierung ist also gefordert.
Wenn man politisch jedoch nicht bereit ist, die für den Betrieb einer Universität notwendigen Strukturen zu schaffen, dann wird man sich überlegen müssen, ob nicht der Weg zurück zu einer Fachhochschule der beste Weg fürs Land ist.


Erich Hasler, DpL-Abgeordneter

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