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Leserbrief

Ministerinnen in Kiew

Georg Kieber, Binzastrasse 8, Mauren | 30. November 2022

Früher hiess es: Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Heute sagen sich europäische Ministerinnen, hallo, in der Ukraine ist Krieg, da fahren wir hin. Die Schweizer Regierung entsandte keine Vertreterin zu diesem eigenartigen Treffen in Kiew. Dieses stand offenbar unter dem Schutzschirm der Solidarität. Der Begriff Solidarität erleidet eine Hyperinflation. Auch im Schutzkeller, wegen eines Raketenangriffs, wurden unerschrocken politische Schwerpunkte diskutiert «wie die Reformen der Ukraine in Hinblick auf den Beitrittsprozess in die EU». Genau dies, wie auch der in Aussicht gestellte NATO-Beitritt der Ukraine, sind zentrale Themen im Buch «Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte» des amerikanischen Historikers und Mediziners Benjamin Abelow, der in Washington, D.C. als Experte für Atomwaffenpolitik tätig war. Liechtenstein musste in Kiew mit dabei sein, sonst wäre der Eindruck entstanden, wir seien neutral. Ich kann es nicht verstehen. Wenn wir global so vernetzt sind, wie uns immer wieder gesagt wird, würde es uns anstehen, statt Konfrontation, den Versuch zu wagen, ein internationales Netzwerk für einen Waffenstillstand zu flechten. Einfach unbesehen mit anderen mitzulaufen, ist allerdings einfacher. Ich muss nicht alles verstehen. Aber, wenn ich mir die Politik unserer moralisch so überlegenen westlichen Demokratien der letzten Jahre nach innen und nach aussen anschaue, wird mir klar, weshalb die Teleskope, die nach intelligentem Leben suchen, von der Erde weggerichtet sind.

Georg Kieber,
Binzastrasse 8, Mauren

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