Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Es kann jede(n) treffen – Teil 2

Claudia Predicatori-Stadler, Familien- & Beziehungscoach, Kapellgasse 8, Arbon | 30. September 2022

Fortsetzung zum gestrigen Leserbrief: Die vielen Zeitungsberichte, die Verhandlungen im Landtag, die Berichterstattung live aus dem Gerichtssaal haben alle eine Aura von Schuld um die Beteiligten gelegt – von wohlwollenden Andersbetrachtungen keine Spur. Zum Glück gab es da den einen Leserbrief vom Prozessbeobachter Walter Kranz, der meinte: Wenn man die Wahrheit hören und sehen will, muss man selber in dem Gerichtssaal sitzen. Das bringt das Ganze auf den Punkt!
Auch gab es keine Umsicht im Hinblick auf Familienmitglieder, auf Kinder. Rücksichtslos wurden Zerwürfnisse und Existenzzerstörungen in Kauf genommen. Oder wurde einfach übersehen, dass dies alles für die Betroffenen solche Konsequenzen haben könnte? Alle vier – und damit meine ich Aurelia Frick, René Schierscher, Maria Pinardi und mich – haben alles andere als eine kriminelle Energie. Die Ohnmacht, welche einem übermannt, wenn man immer wieder in der gleichen schuldgetünkten Art und Weise Geschichten über sich lesen muss, ist unvorstellbar gross und belastend. Ohnmacht auch deshalb, weil uns gegenüber ein ganzer Staat war, ein ganzes System und wir abseits standen ohne Rückhalt. Dass man tatsächlich keine Möglichkeit zu haben scheint, die eigene Geschichte zu erzählen, und zwar im 21. Jahrhundert und in einem demokratischen Land, ist sehr beängstigend.
Ich habe mich stets im Hintergrund gehalten – auch aus falscher Scham. Lieber wollte ich mich wie so viele bedeckt halten – aus Angst vor weiteren Angriffen. Doch mit dem Heraustreten an die Öffentlichkeit von Maria Pinardi ist es auch mir ein Bedürfnis, dies zu tun. Und zu sagen, dass es bestimmt viele Möglichkeiten und Menschen gegeben hätte, die ein anderes Licht auf die Dinge hätten werfen können und damit viel Leid, Angst und Schmerz vermieden worden wäre. Es sollte doch möglich sein, Gerechtigkeit walten zu lassen, ohne Menschen derart «fertigzumachen».

Ich wünsche uns allen, dass wir Journalisten, Gerichte und Behörden haben, denen die Menschlichkeit am Herzen liegt. Denn anscheinend kann es irgendwann jede(n) treffen – völlig unschuldig. Und das nicht nur in Liechtenstein.

Claudia Predicatori-Stadler,
Familien- & Beziehungscoach,
Kapellgasse 8, Arbon

Anmerkung der Redaktion:

Zum Leserbrief von Claudia Predicatori-Stadler halten wir fest: Das «Volksblatt» hat im Fall Frick zu jeder Zeit wahrheitsgetreu über die Gerichtsverhandlung berichtet und dabei die medienethischen und medienrechtlichen Regeln befolgt. Insbesondere wurden die von Frau Predicatori-Stadler genannten Verfahrensbeteiligten in den vergangenen drei Jahren mehrfach durch das «Volksblatt» kontaktiert und auch zu Stellungnahmen und/oder Interviews eingeladen. Die Behauptung, eine dieser Personen hätte nicht die Möglichkeit gehabt, «die eigene Geschichte» zu erzählen, ist daher vollumfänglich falsch. Im Gegenteil hat das «Volksblatt» den expliziten Wunsch, die in Hintergrundgesprächen getätigten Aussagen nicht zu veröffentlichen, immer respektiert. Auch Frau Predicatori-Stadler wurde durch den beim «Volksblatt» für den Fall Frick zuständigen Journalisten bereits Ende Januar/Anfang Februar 2020 kontaktiert, wollte aber keine öffentlichen Aussagen tätigen.

redaktion@volksblatt.li

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung