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Leserbrief

Konsolidierung der Casinos?

IG VolksMeinung, www.volksmeinung.li | 18. August 2022

Vertreter der fünf Parteien in unserem Land konnten neulich zu drei Fragen der «lie:zeit» Stellung beziehen. Es ging dabei um die Selbstregulierung der Casinos, allfällige weitere Massnahmen und wie die Interviewteilnehmer zur Initiative für ein Casinoverbot stehen. Dazu ein paar Gedanken unsererseits zu den gegebenen Antworten:
• Bruttospielerträge steigen weiter: Wegen der Schliessung des Casinos in Balzers euphorisch von einer Marktkonsolidierung zu sprechen, ist nicht angebracht; es war eh nur eine Zweigstelle von Schaanwald und blieb stark unter den Erwartungen. Entscheidend ist der Bruttospielertrag aller Casinos. Und dass dieser immer noch im Steigen begriffen ist, beweisen öffentlich geäusserte Prognosen von Casinovertretern und vor allem auch die Regierung, die für die nächsten Jahre bereits entsprechend höhere Einnahmen budgetierte. Wer «saisonale Casinos», z.B. im Winter in Malbun, vorschlägt, nimmt die Umfrage nicht ernst.
• Massnahmen der Regierung sind Kosmetik: Ein Parteienvertreter meinte, man müsse «mit Bedacht handeln». Das wäre 2016 entscheidend gewesen, dann hätten wir jetzt nicht diese missliche Lage. Geträumt wird immer noch vom Allheilmittel «Sperrliste». Da auf diese Liste aber praktisch nur diejenigen Personen kommen, die sich freiwillig zum Selbstschutz sperren lassen oder die ohnehin kein Geld mehr haben, verhindert sie nicht, dass Spieler um ihr gesamtes Vermögen kommen können. Ein anderer Parteienvertreter schwärmt sogar von «Casinos mit hoher Qualität und von Unterhaltungsangeboten mit hohem Niveau». In Tat und Wahrheit sind die Casinos mehr oder weniger Spielhöllen mit Automaten, Nachfolger der einarmigen Banditen, die am meisten rentieren und die gezielt das Suchtverhalten fördern. Die Casinobetreiber sind Spezialisten darin, den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Gegen diese Realität kommt keine Massnahme der Regierung an, auch in Zukunft nicht.
• Ein bisschen Casino geht rechtlich nicht mehr: Dass das Volk eine überschaubare Anzahl Casinos mit Qualität wolle, ist eine gewagte Aussage. Wir meinen, darüber sollen die Stimmbürger selbst entscheiden, zudem sollte ein Jurist wissen, dass nach der heutigen Gesetzgebung dieser Wunsch rechtlich nicht mehr realisierbar ist. Sollte das Spielbankenverbot nach der Volksabstimmung in der Verfassung verankert werden, sind auch die Online-Casinos betroffen. Das hat die Regierung festgestellt.
• Zwei Parteien befürworten eine Volksabstimmung: Dass die Fragen zwei und drei des Vertreters der Freien Liste themenfremd beantwortet abgedruckt wurden, mag ein Versehen sein. Es ist trotzdem schade, dass diese Stellungnahme fehlt. Immerhin sind zwei von vier im Landtag vertretenen Parteien klar für eine demokratische Volksbefragung über dieses gesellschaftspolitisch wichtige Thema.


IG VolksMeinung,
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