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Leserbrief

Verkorkste Werte, warum wohl?

Reinhard Walser, Bartlegrosch 38, Vaduz | 14. Mai 2022

Seit Monaten werden wir Liechtensteiner von unseren Tageszeitungen seitenlang über meist belanglose Gerichtsverhandlungen «belästigt»: Ein Ehemann soll seine eigene Frau sexuell belästigt haben, ein anderer soll dem Nachbarn über den ­Gartenhag gepisst haben, eine ­Deutsche soll aus Protest wegen ­einer Polizeistrafe die Motorfahr­zeugsteuer nicht bezahlen wollen und eine Schwangere soll bei den ­Sozialleistungen «beschissen» ­haben. Er/sie soll, soll, soll, soll.
Sind dies die Informationen, die wir unbedingt wollen. Haben wir alle eine unbändige Freude uns an meist lächerlichen Fehlleistungen unserer Mitbürger zu ergötzen? Ich bin der Meinung, die Medien hätte Gescheiteres zu schreiben.
Und das Gegenteil zu diesem unrühmliche Gemurmel? Zum Muttertag haben unsere Tageszeitungen mit keinem einzigen Wort unseren Müttern ihre Aufwartung gemacht.
Wir alle wissen (da ist zumindest meine Meinung), dass die Mütter für viele von uns die wichtigsten Bezugspersonen sind. Sie sind es, dass dem skrupellosen Geldhai zu Hause alles im Lot ist und die gemeinsamen Kinder zu wertvollen ehrlichen Menschen erzogen ­werden. Sie sind es, wenn ihr dem ­A­lkohol verfallener Mann Zuspruch braucht, zu ihm hält und seine ­Kinder unbeschadet zu guten Menschen heranbildet. Und sie sind es, die als alleinerziehende Person ihr eigenes Leben total hintenanstellen, um sich voll und ganz auf eine gute Entwicklung ihres Zöglings fokussieren. In fast allen Familien bilden die Mütter den sozialen Kitt, die emotionale Mitte, und sorgen für ein friedvolles Miteinander. Und leisten eine wertvolle unbezahlbare Erziehungsarbeit. Mit Liebe und viel Herzblut. Zum Wohl von unseren Kindern. Und zum Wohle von uns allen.
Wäre es nicht mehr als angebracht, dass unsere Medien zumindest einmal im Jahr, zum Muttertag, diesen unendlich wichtigen Personen Ihre Titelseite gönnen würden? Ihre Verdienste loben und ihnen Respekt zeigen. Mich ärgert es sehr, dass unsere Medien die Werte unserer Mütter, deren Verdienste für uns ­alle, so kaltherzig missachten.

Reinhard Walser, Bartlegrosch 38, Vaduz

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