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Leserbrief

Die Getriebenen

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 28. April 2022

Schön schaut es ja aus, das Haus der Finanzen im Eschner Sumpfgebiet, das da bald werden soll. Gross und mächtig, mitunter schicksalsträchtig, soll es bald das Eschner Gemeindekässile füllen und wenn das Glück noch hilft, sogar überwallen, vielleicht sogar explodieren lassen. Nun, es ist einer Dorfgemeinschaft ja mit Inbrunst zu gönnen, wenn ihre Finanzlage nicht schälb im Winde steht. Denn wie man aus der Geschichte schon oft hat lernen müssen; es werden auch wieder schlechtere Zeiten kommen. Und eh man sich’s versah, ist sie auch schon da, die schlechte Zeit. Die Energielieferungen aus Russland bescheren uns derzeit Durcheinander und Erleuchtung zugleich. Optimisten meinen, dem kalten Hintern im Winter wird man ganz einfach mit Solar auf jedem Dach und mit Fernwärme ein Schnippchen schlagen und Öl und Gas könne man in jedem Laden kaufen. Pessimisten unken, dass das alles nicht so locker zu meistern ist. Für die Fernwärme bräuchte man viel mehr Abfall, den man aber erst produzieren müsse, und das Solardach würde höchstens ausreichen, die Autobatterie aufzupumpen und, wenn es hoch käme, vielleicht eine Gerstensuppe wärmen, aber auch nur bei schönem Wetter. Und man müsse den Kühen den Türken und den Sauen die Runkelrüben wegnehmen und in der Bioanlage vergasen. Da wäre aber mit einem Einspruch der Kuh und auch vom Schwein halt schon zu rechnen. Was wir daraus lernen? Der letzte Hunger im Lande ist lange her. Damals sorgte der Fürst dafür, dass uns das Hemd nicht von den Knochen fällt. Seitdem aber ist «es» mit «uns» stets aufwärts gegangen und unsere Bäuche und Kassen wurden doller und voller. Jetzt, Putin sei Dank, merken wird, dass wir ausser ein bisschen wackeligem Geld gar nichts haben. Wir haben nicht vorgesorgt. Können uns weder selbst ernähren noch die Energie herstellen, sind also abhängig, wie ein Blinder von seinem Hund. Aber wir können uns darauf verlassen. Wenn in der Ukraine Friede einkehrt, dann gehören die Runkelrüben wieder den Sauen.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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