Leserbrief

Das Bodenpersonal?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 14. März 2022

Reaktion auf den Leser «?» von Karin Jenny, erschienen in der Samstagsausgabe des «Volksblatts»:
In ihrem Leserbrief vom Samstag fragt Karin Jenny, im Ton und im Gehabe unnütz süffisant und der Dramatik eigentlich unwürdig, wie Urs Kindle den Missbrauch von Kindern und Frauen durch das «Bodenpersonal» der katholischen Kirche einordnen will. Nun, wenn man etwas einordnen soll, dann muss man erst einmal sehen, was es alles einzuordnen gibt. Denn neben den Missbräuchen des Bodenpersonals, wie sie Priester, die Diener Gottes, verächtlich nennt, gibt es noch eine sehr grosse Reihe mehr einzuordnen. Denn die allermeisten Missbräuche finden in enger familiärer Umgebung statt, gefolgt von Schulen, Sport und Erziehungsstätten, wobei 85 Prozent der Täter Männer sind. Dass der Ehemann, seine engsten Freunde, der liebe Onkel, der Opa, der Pate, der feine Nachbar usw. in den meisten Fällen die Täter und die schlimmsten Verbrecher sind, darüber spricht die Gesellschaft nicht gerne. Müssig und wie es scheint, selbst von Karin Jenny verpönt, einem «warum wohl?» nachzugehen. Ihr Populismus ist gezielt auf die Kirche gerichtet. Da die kirchlichen Missbräuche nur einen geringen Teil der ganzen Schande ausmachen, erstaunt es doch sehr, dass sich Frau Jenny nur auf diesen stürzt und den Rest verschweigt und somit auch verharmlost? Aber die Schande der Gesellschaft ist nicht nur die, dass der Kindsmissbrauch nicht auszurotten ist. Es ist auch beschämend, wie sich Menschen als Richter und Moralapostel aufspielen, wofür die sozialen Netzwerke Tür und Tor öffnen. Und sie kriechen in Scharen wie die Lemminge aus den Mauselöchern, allen voran die Hüter der Moral, dann die allwissenden Demokratieexperten, die Russlandkenner, die Virologen, dann der grossen Haufen, der am Fernseher Epidemiologie studiert hat und natürlich selbst ernannte Psychologen, die schon den Putin auf ihrer Couch zu liegen hatten. Jener, der nur das glaubt, was er selber handfest überprüfen kann, ist in der heutigen Gesellschaft schon fast ein Aussätziger. Ein ganz übler Geselle und boshafter Spielverderber.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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