Leserbrief

Ungeheuerlich

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 27. Januar 2022

Nun schickt mir die Post einen Bogen Fünf-Rappen-Marken gratis ins Haus, damit ich meine 85 Rappen Marken für B-Post-Briefe noch aufbrauchen könne. Sehr originell und auf den ersten Blick eine gute Sache, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als eine hinterlistige Rattenfängerei herausstellt.
Aber der Reihe nach: Im Sommer wollte ich meine umfangreiche Briefmarkensammlung Liechtenstein postfrisch mit FDC, Bogen, Viererblock, Maximumkarten, alles fein schön in Alben aufbewahrt und katalogisiert bei einem Händler verkaufen. Der erklärte mir jedoch, dass er das ganze Zeug nicht kaufen kann, weil das meiste davon schlicht und einfach wertlos wäre.
Grund: Ältere Marken wären nicht mehr frankaturgültig und die Post tausche diese nicht mehr um. Die Marken mit höheren Werten, zum Beispiel die 20-Franken-Marken, könne man nicht brauchen, weil sie wären für den normalen Postverkehr viel zu gross, da man auf Pakete keine Marken mehr kleben könne. In der Schweiz wäre das anders. Da könne man alle, selbst Marken von 1938 – 1960 – 2021 immer verwenden, oder sie bei der Post immer umtauschen.
Ich sehe mich also vor die Tatsache gestellt, dass mir der Staat Liechtenstein für sehr viel Geld Briefmarken verkaufte, die ich im Glauben erworben habe, dass ich dafür jederzeit den versprochenen Gegenwert, zumindest für die Beförderung meiner Post bekäme. Tatsächlich aber enteignete mich der Staat Liechtenstein schlicht und einfach um viele Zehntausende Franken. Ein Skandal ohnegleichen. Der Staat bestiehlt seine Bürger!
Der Händler erzählte mir aber auch von seinem Schicksal. Nämlich dass, durch die Ungültigkeitserklärung durch die damalige Regierung Frick, sein Geschäft praktisch ruiniert wurde.
Die Briefmarke, die Aktie des kleinen Mannes als Mittel zum Zweck die Bürger auszurauben und zu bestehlen? Dank der Briefmarke, einst von Sammlern auf der ganzen Welt begehrt, konnte Liechtenstein einst den Staatshaushalt finanzieren und jetzt bestiehlt er seine Bürger damit.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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