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Leserbrief

«Es ist wirklich der Gipfel!»

Stefanie Leibfried, Grossfeld 29, Eschen | 27. November 2021

Unter der Rubrik «Sonntagsgipfel» wird in der «Liewo» der Fachbereichsleiter des Zentrums für Schulmedien doppelseitig zum Thema digitale Medienkompetenz interviewt – und es ist wirklich der Gipfel! Die erste Frage, mit welchen Problemen die Schulen bereits konfrontiert waren, bleibt unbeantwortet. In der Folge geht es immer wieder um die Verantwortung der – ja, an wen denkt man zuerst beim Stichwort Schule? – Eltern. Diese sollen wissen, welche Apps benutzt werden (die Schulen stellen die Listen der von ihnen verwendeten Apps erst seit neuestem und auf Druck der Datenschutzstelle online), ihre eigenen Passwörter schützen (die Lernplattform schultraining.li wurde u. a. wegen mangelnder Passwort­sicherheit geschlossen) und ganz generell als Vorbild dienen – dies alles im Sinne einer «gemeinsamen Verantwortung» mit der Lehrerschaft. (Wobei letztere das Digitalisierungsgebot des Schulamts natürlich zu befolgen hat). Gleichzeitig soll die Medienerziehung «für die Familie und zur Überzeugung der Eltern» passen. Im wahren Leben sieht es so aus: Eltern, die sich an die gesetzliche Vorgabe (!) halten möchten, ihrem Kind erst ab 13 ein eigenes Handy zu geben, werden mit Übertritt in die weiterführenden Schulen fast schon genötigt, diesen Grundsatz über Bord zu werfen. Wer gegen die Nutzung von YouTube protestiert, wird belehrt, es sei nicht Sache der Eltern, die «Lehrmittel» auszusuchen. Da fragt man sich doch: Wozu zu Hause ­jugendfreie Accounts einrichten, wenn im Pausenraum der Schule auf «Squid Game» zugegriffen werden kann? Wer sich Sorgen um das mit den Geräten verbundene Suchtpotenzial macht, sieht sich schmerz­haft bestätigt, muss aber davon ausgehen, dass empfohlene Bildschirmzeiten schon längst überschritten sind, wenn das Kind nach Hause kommt. Kurz gesagt – die Behauptung, in der Schule würden «die Potenziale von analogen und auch digitalen Medien situations- und stufengerecht aufgezeigt», ist bestenfalls Wunschdenken. Vielleicht aber auch einfach blanker Hohn?


Stefanie Leibfried,
Grossfeld 29, Eschen

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