Leserbrief

Die privatisierte Schöpfung (Teil 3)

Dr. Norbert Obermayr, Auf Berg 44, Mauren | 4. November 2021

Oder: «Zu Ende denken!» Die Sicherung der Grundrechte. Alle demokratischen Staaten rühmen die Grundrechte der Menschen. Was sind diese Grundrechte und wie werden sie gesichert? Luft, Wasser, Boden (stellvertretend für die Ernährung) und Schutz (vor Regen, Kälte, etc., stellvertretend für Wohnraum) sind die wesentlichsten lebensnotwendigen Grundrechte. Werden diese wirklich gesichert?
Gerade findet in Glasgow die Klimakonferenz statt. Es ist schon «zwölf Uhr», hört man immer wieder von Klimaaktivisten. Wenn das der Wald wüsste! Der Raubbau am Wald darf noch bis 2030 weitergehen; darauf hat man sich geeinigt. Eine Frage dazu muss erlaubt sein: Wer will (heute noch) den Regenwald abholzen und wozu? Wem nützt diese Abholzung und wer muss für die Folgen aufkommen? Leider muss man erkennen, dass noch keine Klimakonferenz nur annähernd das vereinbarte Ergebnis, das ohnehin schon minimalistisch war, erbracht hat. Wie ernst nehmen «unsere» Regierungen das Menschenrecht auf gesunde Luft?
Das Ende der fossilen Brennstoffe ist verkündet. Das Heil wird in der Elektromobilität gesehen. Was hat das mit dem Recht auf Wasser zu tun? Sie müssen dazu nur die Rohstoffgewinnung für die Akku-Herstellung ansehen. Der Wasserverbrauch ist enorm. Ganze Landstriche veröden, Menschen haben kein Wasser für ihr Überleben. Ist aber Gott sei dank weit weg und wir sehen es nur ab und zu, via Fernsehen. In Peru müssen Tausende Menschen ihr Überleben durch das Schürfen nach Gold verdienen. Dabei werden Landstriche von mehreren hundert Hektar mit Giftstoffen für Hunderte von ­Jahren verseucht. Vielleicht denken Sie einmal daran, wenn Sie den nächsten Goldring kaufen.
Das Vermögen der Menschen ist ­ungleich verteilt. Was machen die Vermögenden mit ihrem Vermögen? Mehr als 35 Prozent des Kapitals wird in Grund und Boden und in Immobilien gesteckt. Dem «Papiergeld» wird nicht mehr vertraut. Vermögen, das damit nicht mehr der Wirtschaft zur Verfügung steht und keinen Beitrag für allgemeinen Wohlstand leistet. Es kommt noch schlimmer: Hunger in vielen Teilen der Welt sind eine Folge, weitere Umweltverschmutzung die andere. Grund und Boden ist weit weg und wir erfahren nicht, was dort los ist. Immobilien würden sich in Dritte-Welt-Ländern nicht lohnen. Aber auch bei uns können sich immer mehr Menschen den «Schutz» (Wohnraum) nicht mehr leisten. Dafür fliegen Milliardäre in den Weltraum, um 15 Minuten Schwerelosigkeit zu erleben. Das Ganze sehen, die Folgen abschätzen, zu Ende denken.

Dr. Norbert Obermayr,
Auf Berg 44, Mauren

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