Leserbrief

Das Mass aller Dinge

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 30. Oktober 2021

In der Coronakrise ist es der Politik gelungen, in neues Terrain vorzustossen. Die Politik hat entdeckt, dass ein Virus ein noch weit bedeutenderes Einfallstor für staatliche Willkür bietet, als alle anderen Narrative. Warum wird der Freiheitsentzug nicht mehr als solcher wahrgenommen und haben wir überhaupt etwas aus der Geschichte gelernt? Es ist zwar vielen bewusst, wie es in der Geschichte immer wieder zu Totalitarismus, Gewalt durch falschen Glauben an eine Autorität kam und wir wissen auch, dass Mehrheiten keine Garantie für Ge-rechtigkeit bieten. Menschen, ob Mehrheit oder Minderheit, im Kollektiv sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Deshalb gibt es gar keine Rechtfertigung, sich selbst einer Mehrheit zu unterwerfen. Demokratie ist kein Garant für Freiheit und es stellt sich die ketzerische Frage, was der Unterschied ist, ob einer über neunundneunzig bestimmt oder einundfünfzig über neunundvierzig. Die meisten Menschen haben Angst davor, ohne eine «Autorität» für sich voll und ganz zuständig zu sein. Ja, es ist ihr sektiererischer Glaube an eine Autorität, der sie von der Übernahme von Verantwortung abhält. Der Ruf nach Auswechslung der Regierenden mag heute verständlich scheinen, ist aber nicht die Lösung. Alleinig mit einer Auswechslung von Regierenden werden keine Missstände behoben. Auch der Ansatz, eine Regierung permanent einer demokratischen Kontrolle zu unterstellen, ignoriert das Kernproblem. Fakt ist: Niemand, ausser ein paar ideologisch verirrte Zeitgenossen, lieben den Zwang und die Gewalt. Daraus ergibt sich, dass freiheitsliebende Menschen nicht den Anspruch haben, «optimal regiert» zu werden, sondern einfach in Ruhe gelassen werden wollen. Keine «bessere Regierung» kann uns das gewähren und nur das Hauptziel «wenig Regierung» kann dem gerecht werden. Auch wenn bei uns, im Unterschied zu unseren Nachbarstaaten, noch einiges an minimalstaatlichen Strukturen vorherrscht, so müssen wir doch erkennen, dass auch unsere Staatsquote stetig ansteigt und die Politik immer mehr in unser Leben reingrätscht. Die Zeit nach Corona bietet uns die Chance, einiges zu hinterfragen. Lösungen sollten gesucht werden im Zurückdrängen der Staatsmacht, in Deregulierungen und Privatisierungen. Nur Freiwilligkeit bedeutet Solidarität und Menschlichkeit. Fremdbestimmung ist das Tor zu Zwang und Unfreiheit. Der bedeutendste Ökonom der «Österreichischen Schule», Ludwig von Mises, warnte: «Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrü-ckungsapparat. Das Wesen der Staatsgläubigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung und Gewaltandrohung zu zwingen sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antrieb verhalten würden.»

Ulrich Hoch,
Grüschaweg 11, Triesenberg

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung