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Leserbrief

Die privatisierte Schöpfung (Teil 2)

Dr. Norbert Obermayr, Auf Berg 44, Mauren | 28. Oktober 2021

Oder: Der «Boiled Frog-Effekt». Kurz: Langsame Veränderungen werden nicht wahrgenommen. Das einzig Beständige ist der Wandel! Woher kommt die Energie für den Wandel? Ist er naturbedingt oder künstlich? Wem nützt der Wandel?
Noch nie war ein Wandel in fast allen Bereichen des Lebens so dringend notwendig wie heute. Dabei hat sich in den vergangenen 50 Jahren so viel bereits geändert, wie mehrere Hundert Jahre vorher nicht. Das lässt folgenden Schluss zu: Vieles hat sich offenbar unkontrolliert entwickelt, und einiges offenbar auch in eine Richtung, die der Schöpfung und auch der Geschöpfe darin nicht gerade guttut. Das meiste davon haben wir entweder nicht wirklich bemerkt, oder wir haben es – aus welch Gründen auch immer – nicht wahrnehmen wollen, nicht ernst genug genommen.
Die «Sünde» des Volkswirtschaftlers Gutenberg war es, neben Arbeit und Boden auch das Kapital zum Produktionsfaktor zu ernennen. Wir sind heute in einer Finanzwelt angekommen, in der Kapital Kapital «erzeugt». Dies führte letztlich zu Anlageformen, wovon manche davon der Allgemeinheit bestenfalls einen scheinbaren Nutzen bringen, in vielen Fällen aber schaden. Wer ist für die Abholzung der Regenwälder Asiens verantwortlich, und wer zieht davon einen Nutzen? Wer braucht all das billige Palmöl, und was hat die Bevölkerung davon? Ähnliches, aber in noch grösserem Ausmass, gilt für die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet. Sind es wirklich der «böse Bolsonaro» und seine Gefährten? Wer braucht all das viele Soja und das billige Rindfleisch? Kann man die Schöpfung «besitzen»? Agrarflächen als Anlageform nimmt immer grössere Ausmasse an.
Zu Ende denken! Neben Arbeit und Boden könnten wir auch (wirkliches) Wissen als Produktionsfaktor nutzen. Was haben die genannten Beispiele mit dem Klimawandel zu tun? Warum gibt es Migration? Was «produziert» ein Wald, konkret was ein Regenwald? Unmengen an Sauerstoff – und bindet dabei auch CO2. Was wäre, wenn wir dem einen monetären Wert beimessen würden? Übersteigt der Wert des Regenwaldes – zu Ende gedacht – nicht bei Weitem den Wert von importierten landwirtschaftlichen Produkten? Landwirtschaft ist systemrelevant. Letztlich hängt sowohl unsere Ernährungssicherheit, aber auch der Klimawandel, von einer kleinstrukturierten Landwirtschaft ab – und sie sichert uns Biodiversität. Setzen wir dazu ein Denk-Mal!


Dr. Norbert Obermayr,
Auf Berg 44, Mauren

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