Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Also, ich mag die VCL-«Märchen»

Norman Wille, Auring 9, Vaduz | 22. Oktober 2021

Ich habe die Abstimmung für die Öffnung des Rheindammes zur Kenntnis genommen. Unterstützen wollte und will ich sie nicht. Wohl habe ich die Argumente der Befürworter gelesen und auch verstanden. Es sind schliesslich seit 40 Jahren dieselben. Ich nehme aber für mich in Anspruch, den einen oder anderen «grünen» Gedanken in all diesen Jahren mitgenommen zu haben. Die Argumente, durch mehr Strassen hätten wir auch mehr Platz für die Radfahrer, stammen mehr oder weniger aus den unseligen 1960er-Jahren, in denen man als Fussgänger oder Radfahrer minutenlang am Zebrastreifen stehen konnte, ohne dass sich einer der Fahrer bemüssigt gesehen hätte, einem Fussgänger den Vortritt zu lassen. Ich lese auch das Argument, dass wir früher hätten in den Untergrund gehen sollen. Nun, da waren wir schon mal. Allerdings waren das die Fussgänger und Radfahrer. Wir erinnern uns an Fussgänger-Über- und Unterführungen vor 40 Jahren. Sie waren der verzweifelte Versuch, die zahlreichen Unfälle der 1960er- und 1970er-Jahre, meist mit Schulkindern als (Todes-) Opfern, zu verhindern. Schon damals haben wir, anstatt Verkehrsberuhigungen einzubauen, alle Nicht-Autofahrer in den Untergrund oder in Überführungen verbannt. Diese Zeiten sind vorbei. Gott sei Dank, wir haben durchaus dazugelernt. Als Fahrer eines Kleinwagens kann ich nur immer wieder staunen, mit welchen Strassenpanzern (man nennt sie verharmlosend «SUV») ein guter Teil der Bevölkerung unterwegs ist. Notabene gleichzeitig auch die gefährlichsten Fahrzeuge auf der Strasse, zumindest für alle, die nicht in diesem Auto sitzen. Kein Wunder, gibt es auf den Strassen «keinen Platz» mehr für Radfahrer, wenn die Strassen durch Fahrzeuge mit einem Leergewicht von über zwei Tonnen verbraucht werden. Mit kleineren Elektrofahrzeugen wären die Strassen plötzlich wieder «breit genug». Umdenken ist schwierig in einem Land, in dem wir im Schnitt 70 Jahre länger gebraucht haben, um das Frauenstimmrecht einzuführen, als es im restlichen Europa der Fall war. Immerhin geniesse ich es, einfach am Zebrastreifen stehen zu können, und innert kürzester Zeit von einem haltenden Autofahrer den Vortritt zu bekommen. Und es bewegt sich … doch.

Norman Wille,
Auring 9, Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung