Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Digitale «Bildung» um jeden Preis?

Arthur Bras, Matschilsstrasse, Triesen | 22. Oktober 2021

Ein Mitarbeiter des Schulamtes betreibt die Internetseite «ipadunterrichtsideen.com». Diese Seite enthält diverse Bemerkungen zum Thema Nutzung von digitalen Medien an Schulen sowie Verknüpfungen zu anderen Internetseiten wie z. B. «imedias-appadvisor.ch». Beide Seiten propagieren die Nutzung digitalisierter Medien an Schulen gemäss u. a. folgender Beschreibung eines Vertreters der FH Nordwestschweiz/Pädagogische Hochschule:
«Sinnvoller Einsatz von Apps und Webtools im Unterricht: Auf dem App­-Advisor von imedias finden Sie Apps & Webtools, welche Sie direkt im Unterricht mit ihrer Klasse einsetzen können. Die vorgestellten Anwendungen stellen dabei kein vorbereitetes didaktisches Konzept zur Durchführung von Unterricht dar und sind auch nicht spezifisch auf ein Lehrmittel zugeschnitten. Sie können aber als Anregung für die eigene Unterrichtspraxis dienen bzw. diese erleichtern und unterstützen.» Genau nach diesem Schema werden die sogenannten «digitalen Lehrmittel» durch das Schulamt bereitgestellt:
Kein vorbereitetes didaktisches Konzept und nicht spezifisch auf ein Lehrmittel zugeschnitten.
Ist dies das Anspruchsniveau des Schulamtes, auf diese unkritische Weise durch einzelne Mitarbeiter in der Öffentlichkeit bezüglich sensibler Themen vertreten zu werden?
Dazu wird auf keiner dieser Seiten, hinsichtlich schulischer Nutzung einzelner Anwendungen durch Kinder, in gebotener wie gesetzlicher Form, auf den Jugend- sowie Datenschutz eingegangen. Die Angaben zum Mindestalter der Hersteller werden gänzlich negiert, auf mögliche wie faktische Datenschutzrisiken wird nicht eingegangen.
Auch dieses Vorgehen wurde vom Schulamt 1:1 übernommen.
Nun sind von unserer Datenschutzbehörde, gemäss Berichterstattung des «Liechtensteiner Volksblattes», inzwischen bereits drei Verfügungen mit der Erkenntnis über schwere Verletzungen der Kindesrechte zu ungunsten solcher Vorgehensweisen ergangen, trotzdem werden weiterhin Programme mit unklarem rechtlichen Status genutzt.
Eine weitere rechtliche Erörterung über die Nutzung einer Lernplattform gemäss folgender Diktion an Minderjährige zum selbstständigen Ankreuzen wäre geboten: «Ich bin volljährig und stimme den AGB zu. Oder ich bin jünger als 18 Jahre alt; meine gesetzliche Vertreterin/mein gesetzlicher Vertreter stimmt den AGBs zu und hat die Datenschutzerklärung gelesen.»
Auch wird «YouTube» zur selbstständigen Nutzung durch Minderjährige ausserhalb der elterlichen Kontrolle während der Schulzeit in Pausen mittels Schulcomputer als Lehrmittel bezeichnet, sowie das «höhere gesetzliche Interesse an Bildung» als Rechtfertigung verwendet, trotz offensichtlichem Verstoss gegen das Jugendschutzgesetz: Mindestalter 14 Jahre, ohne Erlaubnis der Eltern 18 Jahre, verstörende Videos (Gewalt, Diskriminierung, Filme ab 18 Jahren) sind nicht nur abrufbar, sondern werden von der Plattform selbst vorgeschlagen.
Bis heute gibt es an diversen Schulen nicht einmal eine Liste der einzelnen genutzten Programme für Eltern.
Das Schulamt hat also nicht «nur» ein veritables Datenschutzproblem, es muss sich nun auch berechtigten Fragen zum Jugendschutz stellen.
Aussitzen und Abwiegeln wird hoffentlich in naher Zukunft nicht mehr ausreichend sein.

Arthur Bras,
Matschilsstrasse, Triesen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Volksblatt Werbung