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Leserbrief

Wir können ihn nicht «pflegen»

Mario F.Broggi, Kirchstrasse 11, Vaduz | 28. August 2021

Es wäre vonseiten der Politik und der Medien der Mühe wert, den Wahrheitsgehalt der gebetsmühlenartig vorgebrachten Aussage über die notwendige Pflege des Schutzwaldes zu hinterfragen. Für eine natürliche Waldverjüngung, also «Natur Natur sein lassen», scheint man die nötige Geduld nicht aufzubringen. Man will dem Wald auf die Sprünge helfen, mit Aufforstungen und Zäunen, fast hundert Jahre vor allem mit dem Pflanzen von Fichten, dem Brotbaum der Forstwirtschaft. Der Sündenbock für zahlreiche forstlich gemachte Fehler ist das Wild. So wird es uns eingeredet. Das Märchen des Waldzusammenbruches ohne Pflege hält sich hartnäckig in gewissen Forstkreisen. Selbst ein durch Windbruch gestörter Wald übt aber seine Schutzfunktion ohne Aufräumen weiterhin aus. Die grosse «Gefahr» für den Schutzwald ohne Pflege liegt offenbar in einer zeitlich undefinierten Zukunft. Ich stelle meinerseits fest, dass sich die liechtensteinische Forstwirtschaft zusehends von einem naturnahen Waldbau entfernt. Es fing mit der Jagd auf die Esche wegen der «Eschenwelke» an, jetzt wird wenig nachhaltig vorwiegend Biomasse zum Verfeuern geerntet. Der ehemalige Landesforstmeister Dr. Felix Näscher bringt in Leserbriefen aus Anlass der Jagdgesetzesrevision serienweise Fakten, dass die hiesige Forstwirtschaft aus dem Ruder läuft. Die Gefährdung der Schutzfunktion werde pervertiert vorgetragen. Seine Argumente werden nicht gehört, wenn es um forstliche Glaubensinhalte geht. Da wird weiter von Nachhaltigkeit geschwurbelt, die so nicht stattfindet. Wie wertvoll wäre da einmal eine fachliche Konfrontation der unterschiedlichen Positionen. Dem wird bisher ausgewichen. Ich stehe jedenfalls als ehemaliger Leiter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hinter den Aussagen von Felix Näscher, und dies aus ökologischer wie ökonomischer Sicht.

Mario F.Broggi, Kirchstrasse 11, Vaduz

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