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Leserbrief

Das hundsnormale Paradoxon

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. August 2021

Ein guter Bekannter von mir, der schreibt am Computer nur mit einem Finger und ist eigentlich trotzdem ganz schnell. Und das, was er schreibt, kann sich sehen lassen. Er ist in der Lage, so tiefe Gedanken mit nur einem Finger einzutippen, wozu andere, welche alle zehn Finger benutzen, viel zu dumm sind. Wenn einer nun denkt, dass das paradox ist, kann er versichert sein; es kommt noch gröber. Da gibt es Leserbriefschreiber, welche den Leserbrief benutzen, anderen Leserbriefschreibern aufzuerlegen, sie sollen keine Leserbriefe mehr schreiben. Und oft hat man den Eindruck, das, was einer in seinem Leserbrief ausdrückt, macht den einen oder den anderen, oder sogar die eine oder die andere, fuchsteufelswild und bringt sie in grosse Not? Das, obwohl er die Möglichkeit hat, sie gar nicht zu lesen. Die grössten Galöri und Galörinnen unter ihnen verbreiten in ihren Leserbriefen sogar die Kunde, dass damit die Demokratie ausgehebelt würde und aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Aber Hand aufs Herz und keine Furcht, denn die frohe Botschaft lautet: Leserbriefe sind die Rosinen der Demokratie und sorgen dafür, dass es darin überhaupt Gewicht gibt. In welcher Schale der demokratischen Waage dann mehr landet, bleibt und bleibe bitte dem Leser selbst überlassen. Das grosse Trauerspiel in der Demokratie ist ja, dass die Blumigkeit fehlt und wenn es zu einer Abstimmung kommt, oft nur noch zwei verhärtete Lager an der Urne herumtrotzen und wie kleine Gofen herumzörnelen. Verfassung, Hängebrücke, S-Bahn, Aushängeschilder unseres Demokratieversagens schlechthin. Und warum? Weil es eben Leute gibt, die haben die Deutungshoheit und Allwissenheit für sich gepachtet und die andere Meinungen weder hören noch sehen und lesen schon gar nicht wollen. Sogar Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mahnte: Demokratie braucht Bürgerbeteiligung, Meinungsaustausch und transparente Entscheidungen. Sie sind das beste Mittel gegen Politikmüdigkeit und Demokratieverdrossenheit.

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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