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Leserbrief

Bemerkung zum Interview von Frau Regierungschef-Stv. im «Volksblatt» vom 19. August

Felix Näscher, Kirchstrasse 11, Vaduz | 20. August 2021

«Ein intakter Wald ist der beste Schutz gegen Naturgefahren.» Weiter hält Frau Regierungschef-Stellvertreterin Sabine Monauni fest: «Es wird auch vereinzelt der Vorwurf laut, dass der Wald seit Jahren massiv übernutzt werde – dies mit negativen Auswirkungen auf den Lebensraum des Wildes, aber auch auf die Schutzfunktion des Waldes als solchem. Dies entspricht meines Erachtens nicht den Tatsachen. Die Entwicklung bei der Holznutzung ist seit 2013 rückläufig. Das heisst, es wird weniger Holz genutzt, als nachwächst. Der Wald wird also nicht übernutzt, sondern nachhaltig bewirtschaftet.»
Die Faktenlage gemäss entsprechenden Regierungsquellen ist leider eine völlig andere: Im Landeswaldinventar 2012 ist unter dem Kapitel Holzproduktion festgehalten: «Der Holzzuwachs hängt von Faktoren wie Höhenlage, Klima oder Bodenverhältnisse ab. Je rauer die Verhältnisse, umso langsamer das Wachstum. Zwischen 1998 und 2010 sind jährlich rund 38 500 Kubikmeter Holz nachgewachsen.» In der Periode 2008–2010 betrug die durchschnittliche jährliche Holznut-zungsmenge gemäss demselben Bericht 21 000 Kubikmeter. Wie weiter auf der aktuellen Internet-Seite des Amts für Umwelt im Kapitel «Wald und Holz» unter den Kennzahlen des Liechtensteiner Waldes nachzulesen ist, erhöhte sich die Nutzungsmenge im Verlaufe der letzten 10 Jahre auf schiere 25 000 Kubikmeter/Jahr.
Fakt ist aber auch, dass bei einer Gesamtwaldfläche von 6865 ha diese so enorm angestiegenen Holznutzungen sich auf lediglich etwa der Hälfte der Waldfläche abspielen: Also stünden dort nur etwa 19 000 Kubikmeter/Jahr für eine Holznutzung zur Verfügung; dies bedeutet, dass diese Hälfte der Wälder seit Jahren fern jeden nachhaltigen Nutzungsdenkens systematisch massiv übernutzt, ja geradezu geplündert wird. Nachhaltiges Wirtschaften ist gemäss Waldgesetz aber ein für die gesamte Waldfläche geltendes Gebot; und diese Nachhaltigkeit lässt sich dabei auch nicht nur in Kubikmetern messen: Als umfassendes Konzept muss sie alle Waldleistungen wie auch die Biodiversitäts- und Klimawirkungen oder die Wasserschutzfunktion umfassen. Wenn bezüglich Waldflächenerhaltung dieselbe Denkweise wie bezüglich Nachhaltigkeit angewandt würde, könnte man alle rheintalseitigen Wälder roden und anstelle derer ersatzweise das gesamte Alpengebiet aufforsten; mit dem Ergebnis, dass immer noch knappe 43 Prozent der Landesfläche Wald als Wald verbleiben. Nachhaltigkeit ist ein verantwortungsvolles Konzept – aber nie-mals eine Frage der Beliebigkeit.

Felix Näscher,
Kirchstrasse 11, Vaduz

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