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Leserbrief

Gesundheit auf Raten

Kurt Gstöhl, Festspielstrasse 22, Eschen | 16. August 2021

Wer sich heutzutage als gesund bezeichnen darf, muss sich schon ein bisschen anstrengen. Das geht nur noch via Zertifikat. Nun ja, mit einem Antigen-Schnelltest darf man dann 48 Stunden gesund sein, bis man wieder krank ist. Nicht gerade lange. Mit einem PCR-Test sind es dann immerhin 72 Stunden, wo man sich der Gesundheit erfreuen kann. Danach ist man leider auch wieder krank. Genesene Personen dürfen 180 Tage gesund sein, bevor sie wieder krank sind. Auch nicht gerade tröstlich. Nach der zweiten Impfung (je nach Variation braucht es vielleicht noch eine Auffrischung) ist man dann sage und schreibe für 365 Tage auf der gesunden Seite. Also quasi zertifiziert gesund. Danach beginnt alles wieder von vorn. Na ja, immerhin besser als permanent krank zu sein. Wer möchte das schon. Die WHO hat die reichen Länder dazu aufgefordert, aus Solidarität die ärmsten Länder nicht zu vergessen. Die bräuchten dringend Impfstoffe. So viel Fürsorglichkeit und Nächstenliebe hätte ich von der WHO und den Geberländer nicht erwartet. Laut der privat-öffentlichen Impfstoff-Allianzen GAVI kommt das Geld dem Finanzinstrument AMC zugute, das im Rahmen des internationalen solidarischen Programms COVAX (Initiative zur globalen gerechten Impfverteilung) Impfstoffe für die ärmsten Länder finanziert. Da sind immerhin schon über 10 Milliarden Dollar zusammengekommen. Nach einem UN-Report von 2020 leiden weltweit rund 690 Millionen Menschen an Hunger. In Afrika hungern laut SOS Kinderdörfer 227 Millionen Menschen. Davon rund 60 Millionen Kinder, von denen 3,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Hunger sterben. Diese Länder brauchen also dringend Impfstoffe, damit Sie dann auch zertifiziert gesund sein können. Vielleicht, wer weiss, können Sie sich mit dem Zertifikat endlich Nahrung, sauberes Trinkwasser, Kanalisationen, Schulen und ein menschenwürdiges Zuhause leisten. Natürlich nur für ein Jahr. Danach sind Sie wieder krank. In was für einem Irrenhaus leben wir eigentlich?

Kurt Gstöhl, Festspielstrasse 22, Eschen

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