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Leserbrief

Weisse Pfingstrosen

Loretta Federspiel Werthsteig 9, Mauren | 14. August 2021

Wir gingen gemächlich nebeneinander her, die alte Dame am Rollator und ich, und wir plauderten über jetzt und über Vergangenes. Als wir zu ihrem blumengeschmückten Elternhaus kamen, fiel uns ein, dass dort auf der Treppe an Fronleichnam jeweils ein besonders schöner Altar aufgebaut worden war. «Wir hatten weisse Pfingstrosen im ­Garten und machten damit einen Strauss.» In Sekundenschnelle tauchten innere Bilder auf von ­hellen Feiertagen, der glänzenden Monstranz unter dem «Himmel», den Mädchen in weissen Kleidern, die davor Blüten streuten, von Gebeten, einer langen Prozession und Musik. Eine serbische Legende erzählt, dass die Pfingstrosen vom Blut rot wurden, als der Held Lazar auf dem Amselfeld, die christlichen Reiche auf dem Balkan verteidigend, im Kampf gegen die muslimischen Osmanen sein Leben verlor. Pfingstrosen Mitte August zu beschwören, ist nicht ganz passend, aber der Staatsfeiertag ist mit dem Fest Mariä Himmelfahrt gekoppelt, wo Sträusse mit sieben Kräutern die Altäre schmücken. Erwacht die Natur im Mai, so beginnt sie sich nun zu verabschieden und sich in ihren Himmel, in die Erde, zurückzuziehen.
Staatsfeiertag. Der Glanz widerspiegelt sich vor allem im Papier der Magazine der beiden Zeitungen. Zwar vermitteln die Hinweise auf die Denkmäler und ihre Bedeutung, dazu einige Sagen («Volksblatt»-Magazin) noch eine über den Alltag hinausreichende Dimension. Aber einer, der sich zwischen vielen Büchern ablichten lässt, wünscht sich vom Staat «mehrere Millionen Franken» für die Zukunftsforschung. Die Frage ist nur, was soll aus diesem corona- und pharmaverseuchten, dem krankheitshörigen, materialistisch entleerten und menschenverachtenden Bodenmaterial heraus für die Zukunft erforscht werden?
Im Frühling werde ich Pfingstrosen im Garten setzen, rote oder weisse? Rote als Zeichen für verloren gegangene Ideale? Ich würde mich gerne für weisse entscheiden als Erinnerung an reich erfüllte Feiertage, an eine Zeit, als man noch selber merkte, ob man gesund oder krank war, und als Sinnbild des Ausblicks auf helle, freundliche Zeiten.


Loretta Federspiel
Werthsteig 9, Mauren

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