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Leserbrief

Grösste Auswahl aller Zeiten?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 5. Dezember 2020

Aus dem Geschichtsbuch: «Der Landtag als Institution wurde durch die absolutistische Verfassung von 1818 geschaffen. Die beiden Stände, die Geistlichkeit und die Gemeinden erhielten das Recht auf eine Vertretung durch Deputierte. Die Geistlichkeit wählte drei Pfarrherren in den Landtag. Die Gemeinden wurden durch die elf Gemeindevorsteher und die Säckelmeister (das heisst Gemeindekassiere) vertreten. Der Ständelandtag wurde vom Fürsten einmal im Jahr zu einer Sitzung einberufen. Der Ständelandtag ­besass keinerlei Rechte; seine Funktion bestand ausschliesslich darin, dem jährlichen Steuererfordernis dankbar zuzustimmen.» Nun, nach genauerem Hinsehen, hat sich daran bis heute im Wesentlichen rein gar nichts geändert. Im Gegenteil, es ist alles noch viel böser und skurriler geworden. Beginnend, dass sich auf den Wahllisten kaum mehr «richtige» Leute, also Menschen aus dem Volke mit richtigen Berufen – Mechaniker, Metzgermeister oder sogar ein Zeinen­macher – befinden. Fehlanzeige, denn auch die heutigen «Deputierten» sind zum überwiegenden Teil Staatsdiener, Staatslohnabhängige oder sogar Studierte; also Bock zum Gärtnermannen*, welche unsere Rechte kaum wahrnehmen und sie immer gerne im Verantwortungsrückwärtsgang schluderig der ­Regierung oder dem Fürsten überlassen. Also wenn wir noch drei ­gesunde und schöne Pfarrer auf die Listen bringen könnten, hätten wir es wunderbar wie vor 200 Jahren. Und wenn die Gewählten wie früher zu Fuss oder mit dem Ochsenkarren nach Vaduz fahren, dann wäre auch der Umwelt genüge getan, für welche sie sich ja gezwungenermassen am runden Tisch sowieso einsetzen müssen. Die Oppositionsparteien mit randständigen Kandidaten könnten da eine Lösung bilden. Aber wenn wir die Weissen, die Leute des Friedens und der ­allumfassenden, gendergerechten Nächstenliebe hernehmen und ihre Hauskräche beobachten, rüttelt es im Gedärm und ermahnt, dass nur eine Landtagssitzung im Jahr mehr wie genug wäre.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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