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Leserbrief

Sicherheit zulasten der Natur – Unverhältnismässiges Vorgehen am Alpenrhein

Mario F. Broggi, St.Mamertenweg 35, Triesen | 26. November 2020

Naturvorgänge wie Lawinen, Felsstürze und Überschwemmungen sind natürliche Ereignisse. Personen- und Sachschäden treten dann auf, wenn der Mensch sich in Gebieten exponiert, die gefährlich sind. Es besteht die Tendenz, höhere Sicherheiten für den Menschen einseitig mit bautechnischen Massnahmen erreichen zu wollen, anstatt mit räumlichem Abstand, angepasstem Verhalten oder Akzeptieren eines gewissen Schadensausmasses. Es sind gewisse Sicherheitsvorkehrungen sinnvoll und notwendig, aber unter Berücksichtigung von Kosten und Nutzen. Fragwürdig ist das, was im Triesner Heilos mit dem Naturschutzweiher geschehen soll, geschehen ist es bereits im Alpenrhein. Unterhalb der Balzner Rheinbrücke hatten sich in den vergangenen 20 Jahren drei teils bestockte Kiesinseln gebildet. Darauf wuchs die Deutsche Tamariske, eine europaweit gefährdete Gehölzart der Wildflüsse. Diese Kiesinseln beherbergen auf der Strecke Schweiz-Liechtenstein auch ein Drittel des schweizerischen Brutbestandes des stark gefährdeten Flussregenpfeifers. Die Gehölzbestockung war den Wasserbaubehörden ein Dorn im Auge. Es könnten sich Querschnittsverengungen ergeben, von einem kurzfristigen Ansteigen des Hochwasserspiegels bis zu einem Meter war die Rede. Das tönt nach viel, ist aber in einem grösseren Zusammenhang zu sehen. Im Zeitraum von 1936 bis 1990 wurden im Alpenrhein rund 29 Millionen Kubikmeter (m3) Geschiebe entnommen, was zu einer Rheinbettabsenkung von fünf Metern (!) führte. Diese Kiesentnahmen liessen die Rheinbrücke Schaan-Buchs 1970 wegen Pfeilerunterspülungen zusammenbrechen. Kann bei den so gewonnenen fünf Metern nicht kurzfristig ein Meter für die Naturvielfalt erlaubt sein? Die Abflusskapazität ist in diesem Bereich höher als weiter oben oder weiter unten. Wenn überhaupt Probleme, dann nicht hier. Im Übrigen kommen und gehen Kiesinseln, sie werden bei Hochwasser umgebaut. Die bestockten Kiesbänke wurden ohne Verfahren liquidiert und damit auch das Schützenswerte; das läuft unter Unterhalt. Dieser Eingriff war unverhältnismässig. Bei diesem Vorgehen fehlte eine Abwägung mit den hier vorliegenden Naturwerten. Südlich von Balzers, auf der Höhe des Schollberges, gibt es noch einen Gehölzstreifen im Rhein, der auch liquidiert werden soll. Ich erachte dessen geplante Entfernung als Umweltsakrileg. Mehr dazu bebildert im Internet auf www.mariobroggi.li/Kiesbaenke.

Mario F. Broggi, St.Mamertenweg 35, Triesen

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