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Leserbrief

So ein Mist

Jo Schädler Eschnerstrasse 64, Bendern | 26. Oktober 2020

Wahlen stehen vor der Haustür und wie aus Gotteshand erscheint ein Virus an der Wand. Es mag den einen oder den anderen erschrecken, wenn er erkennt, wozu so ein Virus zu gebrauchen ist. Dass alte kranke Leute sterben, wissen wir. Auch dass die Vernunft ihm längst zu Opfer gefallen ist, erkennt der halbwegs intelligente Zeitgenosse. Dass es den Wahlen den Kompass auch noch vernebelt, hat wohl niemand gedacht. Doch tatsächlich, denn hinter dieser Maskenbinde wohnt die Bosheit mit dem Kinde. Es wird nun ein ganz anderes Wahlfieber werden und noch fieser wie vor Coroneum. Konnte man früher erkennen, wie einer das Maul verzog, wenn man ihm abgeraten hat, Weiber zu wählen, ist das nun mit der Binde nicht mehr möglich. Jetzt kann er einen Lätsch machen und einem sogar die Zunge herausstrecken und man sieht es nicht. Oder einer will in den Landtag, hat aber Zähne wie abgebrannte Hühnerställe. Mit der Maske hat er dennoch gute Chancen. Im Übrigen kommt nun die Zeit der Erkältungen und der rotzenden Nasen. Darf ich nun im Bus alle naselang die Maske abnehmen, um mich zu schnäuzen oder wie ist das zu machen? Richtlinien zum hygienischen Gebrauch der Fazonetli klaffen ebenso immer noch als Gesetzeslücke im Coroneum, wie wo werfe ich meinen tropfenden Schnuderfetzen aus Papier hin. Was ist aber mit der Schnudernase, welche die volle Leistung bringt, wenn man im Bus, oder z. B. im Landtag die Maske nicht abnehmen darf? Da tun sich doch dringende Fragen auf. Ohnehin ist das mit dem «Fragen» so eine Geschichte. Schon jetzt klagen die Parteien, man habe Mühe, geeignete Kandidaten zu finden. Aber selber schuld, wenn man nicht fragt. Ich kenne einen, der lässt extra immer bis früh um vier das Licht brennen, damit man ihn bitten kann, ob er nicht in die Politik kommen will. Doch trotz der hellen Beleuchtung kommt niemand, obwohl er eigentlich ein rechtschaffener Bürger wäre, würde da nicht eine ungute Aura, für die er aber nichts kann, um ihn kreisen. Diese Aura hat er seinem Urgrossvater zu verdanken. Jener, ein Bauer, hatte sich einst beim Silohäxeln den Bart in der Kurzfuttermaschine eingeklemmt. Obwohl er laut um Hilfe schrie, konnte ihm sein dralles Weib nicht helfen, weil die war gerade mit dem jungen Knecht am Werke. Also hat es ihm den Rauschebart ausgerissen. Wie er dann ein Jahr später auch noch ein schlecht getätschtes Fuder Mist genau vor der Kirche verlor, war es für Generationen aus mit dem guten Ruf. Da kann nicht einmal mehr eine Hunderterbirne helfen.

Jo Schädler
Eschnerstrasse 64, Bendern

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