Leserbrief

Entpolitisierung der AHV

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 28. September 2020

Das letzte grosse politische Thema in dieser Legislaturperiode soll die langfristige finanzielle Sicherung der AHV werden. Das Zwei-Säulen-System der Altersvorsorge hat sich in der Schweiz wie in Liechtenstein bewährt, so macht es zumindest den Anschein. Das System steht aber aufgrund der Alterung der Menschen und der demografischen Entwicklung vor grossen Herausforderungen. Man darf sich die Frage stellen, wie zeitgemäss eine kollektive Sozialversicherung heute noch ist? Die Altersvorsorge verkommt immer mehr zu einer Umverteilung von Jung zu Alt und nimmt damit den Charakter eines Schneeballsystems an. Die Regierung Liechtensteins schlägt einen einmaligen Steuersonderbeitrag von 100 Millionen Franken vor. Daneben sollen die AHV-Beiträge von 8,1 auf 8,.7 Prozent erhöht werden. Wir laufen Gefahr, dass wir den Staat und damit den Steuerzahler immer mehr in die Pflicht nehmen müssen, um erwartete langfristige Defizite zu kompensieren. Pierre Bessard, Direktor des Liberalen Institutes, und Paolo Pamini, Ökonom und Steuerberater haben die Studie «Jenseits des Drei-Säulen-Mythos» erarbeitet. Ihre Alternative basiert auf einer Kapitalisierung der AHV mit langen Übergangsfristen, so-dass keine bestehenden Rentner Einbussen erleiden müssten. Gesetzt wird auf eine individuelle Kapitalisierung mit einer damit verbundenen Gewichtung von Eigentumsrechten der Sparer und politischer Entkoppelung der gesamten Altersvorsorge. Eine reine Kapitalisierung hätte den Vorteil, dass Lohnbeiträge wegfallen würden und damit eine individuelle Gestaltung möglich würde. Der Plan sieht vor, dass ein Sparplan dem Aufbau von Vermögen dienen würde und damit ein individueller Anlageplan den monatlichen oder jährlichen Sparbeitrag ohne staatliche Vorgaben bestimmen würde. Aufgrund der Modelle sind gemäss den Autoren vergleichbare Renten realisierbar wie im heutigen Drei-Säulen-System. Nicht zuletzt würde eine Unabhängigkeit von der Alterung und demographischen Entwicklung erreicht werden. Die Autoren der Studie haben errechnet, dass sich jeder Bürger eine individuelle Altersvorsorge leisten kann, wenn frühzeitig mit deren Finanzierung begonnen würde. «Bereits mit einem niedrigen Sparbetrag von 2250 Franken jährlich während 45 Jahren liesse sich mit einer mittleren Rendite die eigene AHV finanzieren», so die Berechnungen der beiden Autoren. «Als Gefahr wird gesehen, dass wenn eine individuelle Vorsorge nicht obligatorisch sei, der Konsum dem Alterssparen vorgezogen werden könnte.» Das vorgeschlagene Modell dürfte noch am politischen Willen scheitern, zeigt aber klar, dass auch hier die viel zitierte «Alternativlosigkeit» nicht gegeben ist.

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg

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