Leserbrief

Was jetzt zu tun ist

Hans Frommelt, Gapont, Triesen | 25. September 2020

Über das S-Bahnprojekt FL–A–CH von Feldkirch nach Buchs wurde unsere Verkehrspolitik hochoffiziell in eine Sackgasse geführt. Das deutliche Abstimmungs-Nein steht für einen Neuanfang. Man wünscht keine Teilung von Schaan durch eine Eisenbahntrasse mit beidseitigen Lärmschutzwänden. Der heutige Busbahnhof östlich der Bahnlinie soll auch den Einwohnern westlich der Bahnlinie zugänglich werden, auch den Bewohnern des St- Laurentius-Heims. Eine Eliminierung der ÖBB-Linie eröffnet für das Schaaner Zentrum wesentliche neue raumplanerische Möglichkeiten. Bis anhin stand beim Schienenverkehr nur der Berufsverkehr beziehungsweise Pendlerfahrten zwischen Vorarlberger Wohnorten und Arbeitsplätzen im Raum Nendeln bis Schaan im Vordergrund. Eine grundlegende Diskussion sollte aber alle Arbeitsplätze erfassen (von Hilti, LGT, VPB, LLB, Presta, Herbert Ospelt, Hilcona, Ivoclar, Svarowski, Hoval, Balzers-Optic, Oerlikon-Group, etc. bis zu den Schulzentren, Universitäten, Bibliotheken, Spitalbesuchen, Einkaufszentren, Sportplätzen — von Fussballplätzen bis zu Tennisplätzen – etc. Es gilt aber auch, die sogenannten Bahnerlebnisfahrten zu berücksichtigen. In Landquart starten drei Tourismuszüge und zwar der Glacier-Express, der bis Zermatt führt, der Bernina-Express (Weltkulturerbe) und der Engadin-Star, fährt über Davos bis St. Moritz, sowie ab Chur die Arosabahn. Solche Tourismusfahrten generieren wesentliche Kostenbeiträge an Betriebs- und Unterhaltkosten eines Schienensystems, ob Normal- oder Meterspur, auch bezüglich Tourismus. Es geht auch um Freizeit- und Sonderfahrten. Der Güterverkehr muss ebenfalls beachtet werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass nur eine Gesamtbetrachtung zu einer tragfähigen Lösung für unsere Verkehrspolitik führen kann. Das Einzelprojekt S-Bahn «FL–A–CH» hat uns in eine momentane Perspektivlosigkeit geführt. Nun gilt es eine neue, nicht fehlgesteuerte Verkehrspolitik aufzugleisen. Ideen und Eisenbahnprojekte, die vor über hundert Jahren formuliert wurden, sind neu zu überdenken. Das gilt sowohl für die Erweiterung der Rhätischen Bahn über Bad Ragaz durch Liechtenstein. Auch das damalige Projekt eines Eisenbahntunnels von Buchs nach Walenstadt im Zusammenhang mit einem neuen ÖBB-Bahntrasse von Feldkirch nach Buchs sollte diskutiert werden. Die schnelle Erreichbarkeit des Metropolitanraumes Zürich ist für unseren Wirtschaftsraum ein wichtiger Punkt. Der Umweg über Sargans ist nicht mehr zeitgemäss. Die 2500-Zeichen-Vorgabe unserer Landeszeitungen lässt keine vollumfängliche Darstellung aller Möglichkeiten zu. Deshalb kann ein Liechtenstein-Verkehrskonzept nur portionenweise beschrieben werden. Ist vielleicht ganz gut so, so kann man sich einem tragfähigen öffentlichen Mobilitätskonzept über diverse unterschiedliche politische Ansichten langsam nähern.

Hans Frommelt, Gapont, Triesen

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