Leserbrief

Das Rassismuskartell

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 23. September 2020

Man ist es schon gewohnt, dass da mittlerweile jeden Tag irgendjemand aufkreuzt und meint, er oder sie müsse der Allgemeinheit, aus Gründen der höheren Moral, an den Karren fahren. Täglich findet sich irgendwo – man kann getrost Wetten darauf abschliessen – irgendein Artikel, eine Ansprache, ein Bericht, wo ein, in der Regel ganz bestimmter Teil der Menschheit, als ewige Rassisten oder ruchlose Urheber irgendwelcher sonstiger Kapitalverbrechen, an irgendeiner aus dem mittlerweile wahren Ozean an Opfergruppen, angeklagt wird. Sei’s drum! Aber allem Gleichmut, aller Abhärtung zum Trotz, gibt es dann doch noch ab und zu den kurzen Moment, wo man den Wahrnehmungen der eigenen Sinne misstraut. So zum Beispiel am vergangenen Samstag auf Seite 3 im «Volksblatt» unter dem Titel «Auch Liechtenstein kann bei der Rassismusbekämpfung noch lernen.» Bereits in der Einleitung liest man dort: «(…)Doch auch Liechtenstein bleibt vom Rassismus nicht verschont. Auch wenn bereits längere Zeit keine rassistischen Straftaten mehr verzeichnet wurden, ist und bleibt Alltagsrassismus auch hierzulande ein Thema (…). So gingen beispielsweise beim Verein für Menschenrechte im vergangenen Jahr vier Beschwerden wegen rassistischer Diskriminierung ein (…).» Ich meine, das muss man sich einmal vorstellen?! Da stellt einer in einem Atemzug nüchtern fest, dass bereits «längere Zeit keine rassistischen Straftaten mehr verzeichnet wurden», hat dann aber trotzdem den Nerv, daraus zu folgern, dass «Alltagsrassismus auch hierzulande ein Thema», nein, nicht nur ist, sondern auch noch bleibt! Dass er dann noch die Unverfrorenheit hat, diesen «Alltagsrassismus» durch ganze vier (!) Beschwerden, die beim Verein für Menschenrechte im vergangenen Jahr eingegangen sind, belegen zu wollen, verdient beinahe schon wieder einen gewissen Respekt. Wer würde sich das normalerweise bei klarem Verstand schon trauen? «Wenn schon nicht uns, dann respektiert doch wenigstens die Logik!», möchte man rufen. Wobei, die Logik hat sie noch nie gekümmert und wird sie nie kümmern. Das ist eines der Privilegien ihrer Positionen. Das ist für sie der berühmte Sack Reis, der irgendwo in China gerade umgefallen ist. Wichtiger ist aber ohnehin, sich über die Bedeutung und Konsequenz ihrer Botschaft klar zu werden. Die Botschaft lautet: «Was Rassismus ist und wann Rassismus ist, entscheiden wir. Wir haben dieses Thema besetzt und wir denken nicht daran, es je wieder aus der Hand zu geben. Wir setzen die Regeln.» Die Frage für Sie wird sein: «Lassen Sie sich einschüchtern?» Ich hoffe nicht! Setzen Sie sich zur Wehr!

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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