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Leserbrief

Eine Frau diskutiert mit sechs Männern

Vorstand Frauennetz Liechtenstein | 19. September 2020

In den Briefkästen lag eine Einladung zur Jubiläumsveranstaltung «30 Jahre Liechtenstein in der UNO». Das wäre die Gelegenheit gewesen, darzustellen, was die Aussenpolitik und die liechtensteinische Aussenstelle in New York geleistet haben. Claudia Fritsche als Wegbereiterin und erste UN-Botschafterin sowie Christian Wenaweser als ihr Nachfolger haben sich kompetent und engagiert für Menschenrechtsfragen eingesetzt bzw. tun dies noch – nachzulesen auf der Webseite der Regierung, die meisten Stellungnahmen und Reden leider nur auf Englisch. Grossartige Statements kann man hinsichtlich der Förderung der Frau nachlesen (https://www.regierung.li/-foerderung-der-frau).
Die UNO-Mitgliedschaft Liechtensteins und die aussenpolitischen und diplomatischen Leistungen wurden in den Printmedien zwar kurz umrissen als «grosser Schritt für einen kleinen Staat», es ist aber wenig bekannt, was auf internationaler Bühne gespielt, geleistet und gefordert wird, und es bleibt der schale Nachgeschmack, dass wenig zurückfliesst als Erkenntnisgewinn für das eigene Land. Menschenrechte, Frauenrechte, Gleichheitsfragen, Genderfragen stehen ganz oben auf der aussenpolitischen Agenda unserer Diplomaten und Diplomatinnen, aber leider spürt man wenig davon im Land.
Botschafter Wenaweser erklärte 2006 (aus dem Englischen übersetzt): «Die Förderung der Gleichheit zwischen Mann und Frau und der Frauenrechte ist eine der Prioritäten von Liechtensteins Mitwirken bei der UNO seit dem Beitritt vor 15 Jahren. (...) Selbstredend können Massnahmen zur Erhöhung der Anzahl von Frauen in Entscheidungsprozessen nur in einem unterstützenden Umfeld nachhaltig sein. (…) Es erfordert ein fortgesetztes Bekenntnis und Engagement aller Stakeholders, aller Verantwortlichen und Machtträger.» Aussenministerin Aurelia Frick sprach 2016: «Viele unserer vergangenen politischen und gesetzlichen Verpflichtungen zur Geschlechtergleichheit wurden auf dem Friedhof der gebrochenen Versprechen beerdigt. (...) Lasst unseren Worten Taten folgen. Wir sind es den Frauen und Mädchen auf unserem Planeten schuldig.»
Allein die Zusammensetzung des Diskussionsforums der Jubiläumsveranstaltung zeugt nicht von einer genderbewussten Umsetzung der auf aussenpolitischer Ebene geforderten Massnahmen. Sechs Männer und nur eine Frau, nämlich die gastgebende Regierungsrätin Katrin Eggenberger, sind vertreten. Innen- und Aussenperspektiven zu internationaler Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit? Ein Commitment zum UNO-Nachhaltigkeitsziel Nr. 5, Geschlechtergleichheit? Fehlanzeige. Leider nur männliche Perspektiven aus der Wirtschaft. Peinlich. Ein «No-Go»!

Vorstand Frauennetz Liechtenstein

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