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Leserbrief

Solidarität

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg | 18. September 2020

Sehr geehrter Herr Frick, für den nach Ihrer Meinung mehr als erklärungsbedürftigen Begriff «unfreiwillige Solidarität» schlage ich vor: verwenden Sie denjenigen der «erzwungenen Solidarität». Das sollte Ihnen helfen, der Sache auf die Spur zu kommen, (sofern daran überhaupt ein Interesse besteht). Im Kern lautet meine Aussage dann: «Eine erzwungene Solidarität untergräbt die wahre Solidarität.» Wobei der Zwang eigentlich nicht untergräbt. Der Zwang vernichtet die Solidarität. Oder wie es Roland Baader einmal gesagt hat: «Eine Handlung kann nur moralischen Wert haben, wenn sie weder unter Zwang noch auf Kosten anderer erfolgt.» Das ist dann auch der Grund, weshalb sich der Staat und seine Institutionen aus bedeutenden Teilen der Solidaritäts- und Wohltatenthematik heraushalten und diese ehrenwerten Tätigkeiten Privaten und privaten Institutionen überlassen sollte. Aber damit haben die Vertreter des Sozialstaats erfahrungsgemäss ihre Mühe. Stefan Blankertz hat das so beschrieben: «Die Verfechter des Sozialstaats sind die wahren Träger der Kälte. Denn die Verfechter des Sozialstaats müssen davon ausgehen, dass nicht genug Solidarität in der Gesellschaft vorhanden ist, um ein effektives und ausreichendes System freiwilliger Hilfe zu gewährleisten. Statt auf freiwillige Hilfe setzen sie auf erzwungene Leistungen. Es ist dieser Zwang, in dem sich Kälte ausdrückt: Die Kälte derjenigen, die Mitmenschen gegen ihren Willen zur Hilfe zwingen. Die Verfechter des Sozialstaates geben ja immer freigiebig das Geld anderer Leute aus und nennen das Solidarität. Es ist die Solidarität von Dieben.» Dass Sie über einen grossen Schatz an entwicklungspolitischer Erfahrung verfügen, will ich Ihnen gerne glauben. Aber wie sieht es mit der ideologiebefreiten, pragmatischen Anwendung dieses Schatzes aus? In einem Bericht vom Center for Strategic and International Studies haben Expertenkollegen von Ihnen zum Beispiel geschrieben: «Die Geschichte der US-amerikanischen Entwicklungshilfe ist von korrupten ausländischen Amtsträgern durchlöchert, die diese Gelder dazu verwenden, sich selbst zu bereichern, das Militär auszuweiten und sich groteske Eitelkeiten zu gönnen.» Oder wie es ein anderer Experte ausdrückte: «Entwicklungshilfe bedeutet, Gelder von armen Menschen in reichen Ländern zu nehmen und es reichen Menschen in armen Ländern zu geben.» Ich bin kein Experte in Sachen Entwicklungshilfe. Grund für eine kritische Sicht der Dinge scheint aber durchaus berechtigt zu sein.

Ulrich Hoch, Grüschaweg 11, Triesenberg

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