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Leserbrief

Kinderwahlrecht für Liechtenstein

Tarik Hoch, Bergstrasse 16, Triesen | 18. September 2020

Da der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahren enorm ansteigen werde, will die Junge Liste Jugendlichen in Liechtenstein ab 16 Jahren politische Beteiligung ermöglichen. So wurde eine Anpassung des Wahlalters von 20 auf 18 Jahre in einer Volksabstimmung im Jahr 1992 zunächst von der Bevölkerung abgelehnt, aber per Landtagsbeschluss im Jahr 2000 trotzdem eingeführt. 18 ist also jenes Alter, ab dem man volljährig und gänzlich strafmündig ist. Da 16-Jährige hingegen noch nicht reif genug für die volle Verantwortung sind, dürfen sie vor Gericht nur nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Zum Wählen jedoch sollen sie nun erwachsen genug sein? Wenn das Wahlalter gesenkt wird, muss man bedenken, dass dann nicht nur 16-Jährige wählen dürfen, die schon vernünftig genug für solche Entscheidungen sind, sondern dann auch diejenigen wählen können, die ausser ihrem Handy nicht viel im Kopf haben. Es ist nun mal so, dass Jugendliche im Schnitt auch einfach politisch ungebildeter als Volljährige sind. Dies liegt einerseits daran, dass mit 16 Jahren einfach noch zu wenig Lebenserfahrung vorliegt und zum anderen, dass die meisten einfach kein Interesse haben, sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Man mag nun einwenden, dass Klimastreiks doch ein gutes Beispiel dafür seien, dass Jugendliche sich heutzutage eben doch für Politik interessieren. Dazu sei jedoch gesagt, dass Demos wie diese nicht gleich eine fundierte politische Meinung implizieren. Denn nur ein kleiner Teil hat auch Ahnung von anderen politischen Themen als Umweltpolitik und Klimawandel. Auch Eltern könnten einen bevormundenden Einfluss nehmen und dem unwissenden Jugendlichen eine politische Meinung einreden oder sogar aufzwingen. Da man bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres häufig noch abhängig von den Eltern ist, wird dieser Umstand noch verstärkt. Neben den Eltern können aber auch Freunde, Schule und Medien Einfluss auf die politische Meinung eines blauäugigen Jugendlichen nehmen. Zwar kann man dieses Risiko nie komplett ausmerzen, aber indem man das Wahlalter bei 18 belässt, kann diese Chance deutlich reduziert werden. Natürlich ist es legitim, zu versuchen, potenziell erfahrene Erwachsene politisch zu manipulieren, doch Jugendliche, die absolut keine Erfahrung haben, unter dem Deckmantel der Reife politisch manipulieren zu wollen, ist jedoch einfach nur fragwürdig.

Tarik Hoch, Bergstrasse 16, Triesen

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