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Leserbrief

Eine Fragestunde

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan | 9. September 2020

Eine solche hatte anscheinend gerade Frau Christiani Wetter in der Kolumne «Kickwort», unter dem Titel «Wieso? Mir goht’s doch guat!» im «Liechtensteiner Vaterland» vom 7. September auf Seite 2. Auslöser der Besinnungsstunde war vermutlich nicht zuletzt eine nicht unerhebliche posttraumatische Belastungsstörung nach dem Nein-Nein-Nein-Wahlsonntag vom 30. August 2020. Relativ oft, wenn Menschen, die derartige Extremsituationen verarbeiten mussten oder müssen, verwenden sie auffallend viele «Wir-Fragen». So heisst es dann beispielsweise, wie eben bei Frau Wetter: «Warum sind wir Frauen gegen politische Massnahmen, die unserem eigenen Geschlecht zugutekommen würden?», «Haben wir denn nichts (…) gelernt?», «Warum fahren wir so selten (…)?», «Warum denken wir, dass Themen wie Gleichberechtigung, der Schutz von Minderheiten oder Umweltschutz uns nichts angehen (…)?», «Warum sind wir (…) so lautstark (…) so kleinlaut?». Was ist das nun? Selbstkritische Wahrheitssuche oder raffinierte Art der moralischen Selbsterhöhung? Man redet zwar vom „Wir“, meint aber präzis alle anderen; eben genau mit Ausnahme von sich selbst! Oder glauben Sie allen Ernstes, dass Frau Wetter von Ihnen beispielsweise widerspruchslos den Vorwurf akzeptieren würde, sie verhalte sich, als ob sie die Gleichberechtigung, der Schutz von Minderheiten oder der Umweltschutz nichts angehe? Präziser bleibt aber auch Frau Wetter da, wo sie partout keine Verwechslung riskieren mag. Wenn Sie zum Beispiel wissen will: «Wie kommt es zustande, dass manche Menschen eine rechte Gesinnung haben, obwohl wir doch über die dunklen Kapitel der Zeitgeschichte aufgeklärt worden sind?» Hier ist klar, die mit der «rechten Gesinnung», das sind anderen, die «manche Menschen». Im Zusammenhang mit dem «Wir» steht klar das Wort «aufgeklärt». Da sollte Frau Wetter sich jetzt dringend die eigenen Ratschläge zu Herzen nehmen: «(…) Nach Lösungen und Antworten für Wissenslücken suchen», «viele Fragen stellen (…)», «nachhaken, interessiert sein» usw. Denn ich, beispielsweise, frage mich, welche Spitzbuben «der Zeitgeschichte» Frau Wetter den «Menschen mit rechter Gesinnung» da unterjubeln will? Den ultimativen Belzebub Adolf etwa? «Wir sind Sozialisten, wir sind Gegner des heutigen, kapitalistischen Wirtschaftssystems (…) und wir sind alle dazu entschlossen dieses System unter allen Umständen zu zerstören», meinte der unter anderem. Oder welche anderen Fürsten der Finsternis meint sie?

Hans Mechnig, Tröxlegass 46, Schaan

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